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(bis Ende Juni 1873 747 V2 Millionen Mark», glaubte man die Gold-ausmünzung fürs nächste im wesentlichen auf die Aufräumung der vor-handenen Bestände beschränken zu können.
Nachdem die Reichsregierung im Juli 1873 ihre Goldankäufe suspen-diert hatte, trat eine wesentliche Erleichterung des englisches Geldmarktesein. Mit der Aussicht darauf, daß Deutschland für einige Monate nichtals Goldkäufer auftreten werde, wirkte eine zeitweilige Wiederbelebungder im vorigen Quartal ins Stocken gerateneu Goldzufuhr aus Amerika zusammen; die Bank von England ging im August mit ihrem Diskontauf 3 °/o herab und für zwei Monate hatte England nun wieder dieniedrigsten Zinssätze in der ganzen Welt.
Es zeigte sich aber bald, daß die Bank von England und der Lon-doner Geldmarkt zu optimistisch in die Zukunft geblickt hatten.
Bereits im September änderte sich die Lage. Der Goldimport ausAmerika hörte auf, und an seine Stelle traten erhebliche Goldversendungennach Newvork. In der zweiten Hälfte dieses Monats begann die Bank,um diesem Goldexport entgegenzutreten, ihre Rate hinaufzusetzen, fastimmer von dem Marktdiskont in ihren Bewegungen überholt.
Dazu kamen Ende September neue Goldbezüge für Deutschland .
In der zweiten Oktoberhälfte kam der Londoner Bankdiskont bereitsauf 7 °/o an; innerhalb von -!3 Tagen eine Steigerung um 4 ° o!
Die deutsche Regierung soll nun, wie der „Ekonomist" berichtet,ihre Goldkäufe eingestellt haben, „nctinA ^vitk tlis im-lzsaranes ir I,a8toi-ivsrl^ rn-ac-tisizä". Für lange Zeit hörte nun die Goldnachfrage fürDeutschland auf.
Dagegen dauerten die Goldversenduugen nach Amerika in großem Um-fange fort. Die Bank von England , welche ihre Reserven immer schärferbedroht sah, erhöhte ihren Diskont in der ersten Novemberwoche bis auf9 °/o. Für Beleihungen auf sichere Papiere wurden 11 — 12 °/o gezahlt.
Augenscheinlich war die deutsche Regierung au dieser gewaltigen Er-schütterung des Londoner Geldmarktes, welche sich allen Märkten Europas mitteilte, völlig unschuldig. Von dem Beginn der zweiten Jahreshälfte 1873an hatte sie sich fast aller Goldkäufe in England enthalten, nur EndeSeptember hatte sie etwa 1 Million K angekauft. Die Hauptursacheder enormen Versteifung der Zinssätze waren die Nachwirkungen derschweren Handelskrisis, unter welchen damals die ganze Kulturwelt litt.Mitschuldig war zweifellos die Sorglosigkeit der Bank von England ,welche nach den starken Börsenkrisen im Mai während des dritten