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Arbitrage nur dann als lohnend, wenn der Wechselkurs auf London unter 20,32 stand; für die Reichsregierung dagegen war der Goldpunktbereits mit 20,35 erreicht.
Die Reichsregierung blieb also bei der direkten Goldbeschaffung.
Sie nahm im September die seit Mai unterbrochenen Goldkäufewieder auf und setzte sie fort, auch als gegen Ende des Jahres durchein Steigen der Wechselkurse auf London die private Goldversendung ausEngland nach Deutschland aufhörte.
In Verbindung mit dem regelmäßigen Herbstbedarf verursachten dieGoldverschiffungen nach Deutschland eine Versteifung des Londoner Geld-marktes. Die Bank erhöhte ihren Diskont bis auf 4°/o, ging aber, alsim November eine nur unwesentliche Besserung der Wechselkurse aufDeutschland eintrat, auf 3°/o herab. Aus diesem letzteren Satze bliebsie mehrere Wochen lang, obwohl die deutsche Regierung auch nach derBesserung der Kurse ihre Goldbezüge fortsetzte, und obwohl AnfangDezember das Gerücht ging, die Reichsregierung, welche bisher alle14 Tage für V2 Million F Gold angekauft habe, beabsichtige, von nunab alle 8 Tage ein solches Quantum zu beziehen.
Um Jahresschluß trat sowohl in England wie in Deutschland eineVersteifung des Geldmarktes ein. In England stieg der Bankdiskont auf 5 °/°;in Deutschland war eine der ersten Maßnahmen der am 1. Januar 1876ins Leben tretenden Reichsbank die Erhöhung des Diskonts auf 6°/o(am 3. Januar 1876).
Das also eingeleitete Jahr 1876 zeigte einen wesentlich anderenCharakter als die zweite Hälfte des Jahres 1875. Während in diesemDeutschland beträchtlich höhere Diskontsätze hatte, als die wichtigsten aus-ländischen Geldmärkte, löste sich nun die Anspannung des deutschen Geld-marktes so schnell, daß bereits Anfang Februar die Reichsbank ihrenoffiziellen Satz aus 4°/o ermäßigen konnte. Der Marktdiskont stellte sichim Durchschnitt des Februar nur auf 2^°/o. Dagegen hielt die Versteifungdes Geldmarktes in London länger vor. Die Bank von England er-mäßigte zwar schon Ende Januar ihren Diskont auf 4°/o, aber der Privat-diskont für Dreimonatswechsel ging kaum unter diesen Satz hinab.
Da Geld in London teurer war, als in Berlin , kam die privateGoldverschiffung nach Berlin völlig in Wegfall. Die berliner Wechsel-kurse auf London stiegen erheblich, und Ende Februar oder Ansang Märzfloß der Bank von England Gold aus Deutschland zu.
Die Reichsregierung fuhr in schonender Weise mit ihrer Gold-