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beschaffung aus London fort, indem sie sich darauf beschränkte, neu an-kommendes Gold aufzukaufen.
Im März stellte sie für längere Zeit die Goldbeschaffung ein.
Gleichzeitig hörte in London auch die Nachfrage für Frankreich , welchevom September an wieder einen größeren Umfang angenommen hatte, fastvollständig auf. Zu der kleinen Goldeinfuhr aus Deutschlaud trat im zweitenund dritten Quartal 1876 sogar ein wesentlicher Goldzufluß aus Frankreich und Belgien , der fast den Betrag von 2>/2 Millionen F erreichte.
In London trat infolgedessen große Geldflüssigkeit ein. Der Bank-diskont wurde bereits im April auf 2°/o herabgesetzt, der Privatdiskontfür Dreimonatswechsel sank auf 1 bis 1^2°/o; und diese Sätze erfuhrenselbst dann keine nennenswerte Steigerung, als vom September ab Goldin großen Summen nach Frankreich und namentlich auch nach denVereinigten Staaten abzufließen begann, und als im November die Reichs-regierung ihre Goldaukäufe in größerem Umfang wieder aufnahm. Erstgegen Jahresschluß stieg der Marktdiskont auf l^ —2°/o.
Am Ende des Jahres 1876 wurde der Reichsbank die Vermittelungder Goldaukäufe — gleichzeitig mit der Vermittelung der Silberverkäufeübertragen. Die Reichsbank ihrerseits bediente sich auch für die Gold-beschaffung der Vermittelung der London Joint Stock Bank, welche bisherschon bei der Goldbeschaffung mitgewirkt hatte.
Die London Joint Stock Bank erhielt den Auftrag, soweit nichtgegenteilige Anordnungen getroffen werden würden, für die Erlöse ausden von ihr vermittelten Silberverkäufen, sobald diese die Summe von100.000 F erreichten, Gold in hochhaltigen Barren anzukaufen und sieder Reichsbank zu übersenden. Innerhalb dieser Vorschrift hatte dieLondon Joint Stock Bank völlig freie Hand. Namentlich war es ihrgänzlich überlassen, ob sie das Gold aus der Bank von England ent-nehmen, oder ob sie es aus dem offenen Markte ankaufen wollte. Hinsichtlichdes Preises war bei den geringen Schwankungsmöglichkeiten des Gold-preises in London weder eine allgemeine Vorschrift, noch eine specielleÜbereinkuuft in den einzelnen Fällen erforderlich.
Nach dieser Neuordnung des Metallgeschäftes hatte die Goldbeschaffungden letzten Rest von Selbständigkeit verloren. Sie war nur noch eineRealisation der Silberverkaufserlöse. Weder die Lage des englischenGeldmarktes, noch der deutsche Prägebedarf war von nun an ausschlag-gebend für die Goldbeschaffuug, soudern einzig und allein der Gang derSilberverkäufe.