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Dadurch hat die Goldbeschaffung ihr wesentlichstes Interesse für unseingebüßt; wir können deshalb über ihre Fortsetzung in den Jahren 1877bis 1879 kürzer hinweggehen.
Die starke indische Silbernachfrage während des Jahres 1877 ge-stattete der Reichsregierung die Abstoßung eines großen Teiles ihresSilbervorrats; die Verkäufe fanden fast ausschließlich in London statt.Die Erlöse wurden zum weitaus größten Teil zu Goldankäufen ver-wendet, im ganzen über 8 Millionen F. Davon kommen etwa 3VsMillionen auf das dritte Quartal.
Gleichzeitig zog Frankreich große Summen Gold aus London ansich, in den ersten drei Quartalen fast 5Vz Millionen F, und die Gold-einfuhr aus den Vereinigten Staaten schrumpfte sehr stark zusammen.
Es ist erstaunlich, daß unter diesen Verhältnissen die Bank vonEngland bis zum September mit einem Diskont von 2 und 3°/o aus-kommen konnte, und daß sich dabei der Marktdiskont meist noch unter derBankrate hielt.
Erst der Herbst brachte die gewöhnliche Anspannung des Marktes.Die zu den deutschen und französischen Goldbezügen hinzutretende Gefahrumfangreicher Goldverschiffungen nach Amerika veranlaßten die Bank vonEngland zu besonderen Maßregeln.
Sie ging dieses mal nicht sofort mit einer Diskonterhöhung vor,sondern bediente sich eines etwas ungewöhnlichen Mittels, um die Gold-nachfrage von sich fern zu halten. Als Ende September die London Joint Stock Bank Goldbarren für die Reichsregiernng aus der Bankvon England entnehmen wollte, weigerte sich die Bank, wie bisher hoch-haltige Barren herauszugeben; sie wollte lediglich Barren von 900 Tausend-teilen Feinheit oder Sovereigns liefern.
Da bisher von der Reichsregierung nur hochhaltige Barren ausLondon bezogen worden waren und aus münztechnischen Gründen auchfernerhin der Ankauf hochhaltiger Barren wünschenswert erschien, wurdedie London Joint Stock Bank angewiesen, nur hochhaltiges Geld aus derBank zu entnehmen oder solches auf dem offenen Markte anzukaufen. DasReichskanzleramt gestattete jedoch schließlich den Ankauf von Barren von900 Tausendteilen Feinheit bis zum Betrag von 7 Millionen Mark, jedochnur für den Fall der Unmöglichkeit der Beschaffung hochhaltigen Goldes.
Im letzten Quartal des Jahres 1877 nahmen die deutschen Gold-bezllge infolge der Verschlechterung der Verhältnisse des Silbermarkteserheblich ab. Sie erreichten im ganzen kaum 1 Million F.