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dann durch Bezug von Barrengold, wenn der Wechselkurs so niedrigstand, daß der Ankauf von Gold für die Reichskasse vorteilhafter warals die Begebung von Tratten. Die Grenze lag ungefähr bei einemKurs von 20,35
Aber das Neichskanzleramt kam nicht zu einer rückhaltslos be-jahenden Antwort der von ihm aufgeworfenen Frage; denn es entschloßsich nicht, von jeder, ich möchte sagen künstlichen lind willkürlichenGoldbeschaffung abzusehen und die Goldeiufuhr ausschließlich dem freienVerkehr und der Gestaltung der internationalen Wechselkurse zu über-lassen.
Man begann vielmehr zu erwägen, ob nicht auf andere Weise alsbisher die Goldbezüge in mäßigem Umfang fortgesetzt werden könnten,ohne daß dadurch dem Reich die finanziell vorteilhafteste Verwertung derSilberverkaufserlöse unmöglich geinacht würde.
Vor allem wurde die Frage erörtert, ob es möglich sei, die Fort-setzung der Goldbeschaffung in der Weise der Reichsbank zu übertragen,daß sie fernerhin auf eigene Rechnung dieses Instituts erfolgt wäre.Es wurden mit der Reichsbank Verhandlungen über diesen Punkt an-geknüpft. Diese Verhandlungen waren jedoch erfolglos. Sie gingenvon der Grundlage aus, daß weitere Goldbeschaffuugeu im Interesseder Münzreform notwendig feien, und daß diese Goldbeschaffungen nurmit Verlust möglich seien. Die notwendige Folgerung aus diesen Voraus-setzungen war, daß das Reich auch fernerhin auf eigene Kosten Gold be-schaffen müsse, denn die Kosten der Durchführung eines Reichsgesetzesmüssen naturgemäß vom Reich getragen werden.
Dieser Einsicht konnte man sich nicht verschließen, und so blieb allesbeim alten.
- Die Fortsetzung der bisherigen Praxis wurde dadurch für das Reichs-kanzleramt erträglicher gemacht, daß sich vom Ende des Jahres 1877 abdie Wechselkurse auf London für Deutschland erheblich günstiger stellten.
Gleichzeitig trat eine Besserung des Silbermarktes ein, welche derReichsregierung starke Silberverkäuse ermöglichte, und außerdem zeigteder Londoner Geldmarkt nach der scharfen Anspannung im letzten Quartal1877 eine bedeutende Erleichterung. Die Reichsregierung zog aus dem