Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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erfuhr, erklärlich erscheinen. Aus Frankreich wurden im letzten Quartalüber 4i/4 Millionen F, aus Deutschland über 700.000 K Gold ein-geführt.

Dabei setzte die London Joint Stock Bank die Ende Septemberwieder aufgenommene Goldbeschaffung für das Reich in beträchtlichemUmfange fort. Sie kaufte in den letzten drei Monaten des Jahres 1878insgesamt für etwa 1,7 Millionen Pfund Sterling Gold an, darunteretwa 12 Millionen Mark in deutschen Reichsgoldmünzen, welche damalsinfolge der für Deutschland ungünstigen Gestaltung der Wechselkurse indie Bank von England geflossen waren.

Während der ersten Monate des Jahres 1879 wurden die Silber-verkäufe immer unwesentlicher. In der zweiten Hälfte des Mai wurdensie gänzlich eingestellt.

Nicht einmal die Erlöse aus diesen unwesentlichen Verkäufen wurdenvöllig in Gold realisiert. Der immer noch hohe Stand der Wechselkurseauf London verstärkte die Erkenntnis immer mehr, daß die Goldbeschaffungunter den obwaltenden Verhältnissen nicht nur große Verluste für dieReichskasse mit sich bringe, sondern daß auch der Zweck der Gold-beschaffung und der mit ihr verbundenen Opfer durch den Goldabflußaus Deutschland vereitelt werde; daß dagegen die Realisierung derSilberverkaufs-Erlöse im Wege der Begebung von Tratten auf London das beste Mittel sei, den Wechselkurs für Deutschland günstiger zu ge-stalten und dadurch dem Goldabfluß nach England entgegenzuwirken.

Das Reichskanzleramt traf deshalb Ende März die Anordnung, daßbis auf weiteres von der Fortsetzung der Goldbeschaffung Abstand ge-nommen werden solle, solange der Wechselkurs auf London über 20,45 stehe.

In der That bewirkte die Begebung von Wechseln auf London ,welche an Stelle der Goldbeschaffung trat, im April ein wesentlichesSinken des englischen Wechselkurses. Während dieser im März 20,505erreicht hatte, sank er im April bis auf 20,42. Man konnte also an dieWiederaufnahme der Goldbeschaffung denken.

Da kam die Einstellung der Silberverkäufe und machte der Gold-beschaffung für Rechnung des Reiches ein Ende. Von nun ab war dasdeutsche Geldwesen in internationaler Beziehung auf sich selbst gestellt.

Die Beurteilung des zweiten Teiles der Goldbeschaffung hat vonandern Gesichtspunkten auszugehen, als diejenige des ersten Teiles.