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rechnung auch nach der Freigabe der Goldprägung und nach dem Beginnder Goldankäufe seitens der Preußischen Bank , bezw. Reichsbank nicht un-bedingt als zwecklos oder gar schädlich erklärt werden kann. Zweckloswaren die Goldbeschaffuugen seitens des Reiches nur unter bestimmten Ver-hältnissen, nämlich dann, wenn der Wechselkurs auf London so hoch war,daß sie für die Reichskasse zugleich einen wesentlichen Verlust gegenüberder Begebung von Wechseln aus London darstellten.
Die Reichsregierung durfte also hier ihre fiskalischeu Interessen aus-schlaggebend sein lassen; sie deckten sich hier mit den Interessen derdeutschen Valuta. Sie hat das manchmal gethan und bei einem hohenKursstand des Wechsels auf London die Begebung von Tratten auf London angeordnetIhr einziger Fehler besteht darin, daß sie nicht immer bei Kursen,welche eine Goldausfuhr nach England ermöglichten, sich darauf beschränkthat, durch die Begebung von Tratten dieser Goldausfuhr entgegenzuwirken.
Dieser Fehler war jedoch von geringer Tragweite. Ein direkterSchaden entstand aus ihm nur in fiskalischer Beziehung. Außerdemwurde die deutsche Valuta im Verhältnis zu den ausländischen Valutenniedriger gehalten, als sie sich sonst gestellt hätte. Aber da die Reichs-bank ihre Noten auf Verlangen stets in Gold einlöste, während sie alledeutschen Zahlungsmittel, ob Silber, Reichskassenscheine oder Notenanderer deutscher Banken in Zahlung nahm, konnten die ausländischenWechselkurse nicht höher über ihre Goldparitäten steigen als bis zu demPuukt, welcher die Ausfuhr von Gold ermöglichte.
Die Beibehaltung der Goldbeschaffung auf Reichskosten war alsoin fiskalischer Beziehung unvorteilhaft; in allgemein wirtschaftlicher Be-ziehung dagegen war sie im ganzen von Nutzen und selbst unter den un-günstigsten Verhältnissen wenigstens ohne Nachteil.
Die Entwickelung des deutschen Geldwesens während der auf dieEinstellung der Silberverkäufe folgenden Jahre, während welcher die Lagedes internationalen Geldmarktes infolge großer amerikanischer Goldbezügeund infolge der von Italien zur Wiederherstellung seiner Valuta auf-genommenen großen Anleihe eine besonders schwierige war, brachte denNachweis, daß die deutsche Valuta selbst unter gefahrdrohenden Verhält-nissen auch ohne ein direktes Eingreifen der Reichsregierung aufrecht er-halten werden konnte.
' Siehe Anhang IV.