Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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silbermünzen konnten den Münzstätten ohne weiteres überwiesen werden.Man wählte für diesen Zweck fast ausschließlich solche Landessilbermünzen,deren Feinheit mit der für die Reichssilbermttnzen vorgeschriebenen von2°°/lvov übereinstimmte, namentlich Zweithalerstücke, Vereinsthalerstückeund Münzen der süddeutschen Währung.

Dagegen mußte das für die Veräußerung bestimmte Silber erst ineine für den Verkauf geeignete Form gebracht werden.

Es handelte sich aber nicht nur um die Umschmelzung der Silber-münzen zu Barreu, sondern auch um die Herstellung von Barren in denbestimmten Mischungsverhältnissen, welche ans den verschiedenen Silber-märkten, auf welchen die Reichsregierung ihr Silber absetzen wollte,üblich waren.

Für die Verkäufe vou Silber nach Österreich und an die PariserMünze genügten sogenanntegeringhaltige" Barren in der Feinheit von900 bis 903 Tausendteilen. An die Pariser Münze wurde sogar einPosten von Barren, die nur 750 Tausendteile fein waren, verkauft.' Imallgemeinen war jedoch die geringste Feinheit, welche den Barren einengünstigen Absatz sicherte, das Mischungsverhältnis von 900 Tausend-teilen Silber und 100 Tausendteilen Kupfer.

Die weitaus wichtigsten Absatzgebiete für Silber verlangten jedochhochhaltige" Silberbarren. Auf dem Londoner Markt pflegte für denBedarf Ostindiens eine Feinheit von nicht unter 992 Tausendteilen, fürChina sogar eine Feinheit von nicht unter 996 Tausendteilen verlangtzu werden. Im allgemeinen war nur bei Zeiten starker Silbernachfrage dieMöglichkeit vorhanden, den vollen Preis auch für Barren von 975 Tauscnd-teilen Feinheit zu erlangen, während für 950 Tausendteile feine Barrenbereits bis V4 ä pro Unze unter dem offiziellen Preis gezahlt wurde.

Die Feiuheit der deutschen Silbermünzen war nnn im Maximum900 Tausendteile. Ein großer Teil der deutschen Silbermünzen war nur750 Tausendteile fein, so namentlich die vor 1875 geprägten Thaler-stücke. Die Teilstücke des Thalers waren in noch wesentlich gröberenLegierungen geprägt. Bei den Silberscheidemünzen war fast durchwegder Silbergehalt geringer als der Kupfergehalt.

Die Reichsregierung war also genötigt, zum Zweck der möglichstgünstigen Verwertung ihres für den Verkauf bestimmten Silbers einengroßen Teil der eingeschmolzenen Silbermünzen zu afsiuieren, d. h. einenerheblichen Teil des Kupfergehaltes auszuscheiden. Abgesehen von diesemZwang war bei einem Teil der Münzen der Kupfergehalt so groß, daß