Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Silberverkäufe geführt hatte, in erheblichem Umfang fort. Im Januarschwankten die Notierungen zwischen 57V/2 und 57^/8, im Juni erreichtensie den Tiefpunkt von 55^2 ä.

Die unmittelbare Ursache war augenscheinlich der andauernd überausgeringe indische Silberbedarf.

Das zeigt sich deutlich darin, daß vom Juni ab mit einer Belebungder indischen Silbernachfrage eine Preisbesserung eintrat. Im August,welcher von allen Monaten des Jahres die stärkste Silberausfuhr nachIndien verzeichnete, hob sich der Preis wieder bis auf ä. Zu derBesserung des Silbermarktes trugen außerdem große Käufe für Spanien bei. Im September stieg der Silberpreis sogar etwas über 57, umdann bei nachlassender indischer Silbernachfrage im IV. Quartal wiederauf 56^3 ä im Dezember herabzusinken.

Wie im Jahre 1874, so benutzte auch diesesmal die Reichsregierungdie verhältnismäßig günstige Lage des Silbermarktes, um hauptsäch-lich in Hamburg Silber abzusetzen. Als die Preise zu weichen an-fingen, zögerte die Reichsregierung merklich mit der Fortsetzung der Ver-käufe. Sie ließ zwischen den einzelnen Abschlüssen längere Pauseneintreten und von der Mitte des Dezember 1875 bis zum 12. Januar1876 ruhten ihre Verkäufe völlig.

Sie befolgte damit ihren alten Grundsatz, nur bei steigenden Preisenzu verkaufen.

Aber es zeigte sich bald, daß diese Politik bei der Lage des Silber-marktes nicht aufrecht erhalten werden konnte. Die Rücksicht auf diemöglichst rasche Durchführung der Münzreform mußte schließlich dieRücksicht auf den Silbermarkt und aus die bei niedrigeren Silberpreisengrößeren Verluste für die Reichskasse überwiegen; sie mußte die Regierungnötigen, auch bei einer ungünstigen Lage des Silbermarktes die Veräuße-rung von Silber zu versuchen.

So trat die Reichsregierung, obwohl der Silberpreis bei seinersinkenden Tendenz beharrte, im Januar 1876 in London wieder als Ver-käufer von Silber auf^.

Die erste Hälfte des Jahres 1876 brachte einen überaus starkenPreisrückgang des Silbers, der in der Zeit vom 7. bis zum 10. Julibei 46^4 ä seinen Tiefpunkt erreichte. Um fast 10 ä wurde also der

i Vergleiche zu der folgenden Darstellung die Tabelle VI im Anhang, welchemonatliche Nachweisungen über die Verhältnisse des Londoner Silbermarktes enthält.