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hinweggetäuscht. Mit starkem Optimismus wurden verhältnismäßig hoheSilberpreise festgehalten, bis sich die Wirkungen der Aufhebung der freienSilberprägung in Deutschland, Skandinavien, Holland und der lateinischenMünzunion nicht mehr verkennen ließen. Dazu kam die Wahrnehmung,daß die deutsche Regierung mit der Abstoßung ihres Silbers mehr Ernstmachte als bisher. Namentlich die Unmöglichkeit, das überschüssige Silberwie bisher zu leidlichen Preisen und in jedem Umfang nach Paris undBrüssel absetzen zu können, machte sich erst jetzt in ihrer vollen Bedeutungfühlbar.
So leicht man bisher alle diese um zwei bis drei Jahre zurück-liegenden Ereignisse genommen hatte, so stark war nunmehr der Umschlag.Sobald man sich der von Grund aus veränderten Lage des Silbermarktesvoll bewußt geworden war, kannte der Pessimismus keine Grenzen mehr.Er äußerte sich vor allem in einer an Gespensterfurcht grenzenden Leicht-gläubigkeit. Die übertriebensten Gerüchte über die SilberproduktionNevadas fanden Glauben, man erzählte sich, Rußland beabsichtige Silberzu verkaufen, und vor allem fürchtete man die Verkäufe der Reichs-regierung, als ob diese keinen anderen Zweck verfolgt hätte, als denSilbermarkt total zu ruinieren ^, und als ob nicht die Reichsregierungselbst das größte Interesse an der möglichsten Schonung des Silbermarktesgehabt hätte.
So waren alle Vorbedingungen für eine maßlose Panik gegeben.
Bei dieser Stimmung des Silbermarktes genügten die an sich ganzunbedeutenden Silberverkäufe der Reichsregierung im ersten Quartal, umden Silberpreis von 56^8 ä auf 52^2 ä (im März) sinken zu lassen,obwohl die Reichsregierung bis dahin unter 54 ck nicht verkaufte und obwohlvon dem Angebot von Councilbills während des Februar überhauptnichts und im März nur 300.000 Rupien begeben wurden.
Ein starker Aufschwung der Silberausfuhr nach Indien und China(auf 718.000 F gegen 279.000 im Januar) fetzte im März den: Preis-rückgang des Silbers ein Ziel. Es trat sogar vorübergehend eineBesserung ein bis auf 54>/4 ä, und im April war der durchschnittlichePreis 53^. Aber bereits Ende April begann der Preisrückgang vonneuem, unmittelbar verursacht durch die Wiederaufnahme der Begebungenvon Councilbills 2.
1 Man fühlt sich dabei lebhaft an das Verhalten des Londoner Geldmarktes zurZeit der ersten deutschen Goldbezüge erinnert.
2 Ekonomist vom 22. April 1876: „l'ns esmss is a suMsn tall in ttis Incllan