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Einmal die außerordentliche Steigerung des Geldbedarfes in-folge des gewaltigen Aufschwungs der gesamten Volkswirtschaft undder über alle vernünftigen Grenzen hinaus gesteigerten Spekulation.Diese Steigerung des Geldbedarfs absorbierte nicht nur den Zuwachs,welchen der deutsche Metallumlauf erfuhr, sondern er verursachte darüberhinaus noch eine Anspannung des ungedeckten Notenumlaufs.
Ferner darf man die Vermehrung des deutschen Metallgeld-Bestandes in jener Zeit nicht für gleichbedeutend mit einer Vermehrungdes Metall-Umlaufs halten. Vor allem ist der Betrag von 120 Mil-lionen Mark, welcher als Kriegsfchatz im Juliusturm zu Spandau niedergelegt wurde, in Abrechnung zu bringen. Ferner wurde ein großerTeil der dem Reich auf Kriegskostenentfchädigung zufließenden Gelderlange Zeit in den Kassen des Reichs festgehalten und auch nach der Ver-teilung an die Einzelstaaten von diesen nicht sofort verausgabt. DieseGelder flössen erst allmählich dem freien Umlauf zu.
Leider ist es unmöglich im einzelnen festzustellen, wie die in denKassen des Reichs und der Einzelregierungen aufgehäuften Summenallmählich in den freien Umlauf übergingen.
Einen Anhaltspunkt geben nur die bereits erwähnten Schwankungenin den Depositen bei der Preußischen Bank .
Die Gelder, für welche die Einzelstaaten und das Reich noch keinesofortige Verwendung hatten, wurden für den Verkehr bereits durch dieDeponierung bei einer Notenbank nutzbar gemacht, indem sie dort alsNotendeckung gerechnet wurden. Außerdem läßt die allmähliche Zurück-ziehung dieser Guthaben zum Zwecke ihrer Verausgabung Schlüsse darauszu, in welchem Tempo und in welcher Zeit die in den Staatskassen selbstzurückgehaltenen Summen zur Verausgabung gelangten und so demfreien Umlauf zuflössen.
Die Bewegung der Guthaben bei der Preußischen Bank war nunwährend der hier in Betracht kommenden Zeit folgende:
Um die Mitte des Jahres 1871 beliefen sich die Guthaben nur aufetwa eine halbe Million Thaler. Sie zeigten dann ein rasches Anwachsen,das namentlich in den ersten acht Monaten des Jahres 1873 großeDimensionen annahm. Ansang 1873 standen sie aus 31 ^/s MillionenThaler. Ende August erreichten sie ihren Höhepunkt mit mehr als130 Millionen Thaler. Dann trat ein schneller Rückgang ein. Zu Beginndes Jahres 1874 waren die Guthaben bereits auf 76 Millionen Thaler