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mit gesetzlicher Zahlungskraft. Es ermöglichte dadurch der Regierung dieAusprägung der bereits angekauften Goldvorräte und veranlaßte sie zuweiteren Goldbeschaffungen.
Die Prägung von Gold wurde allerdings erst einige Jahre späterfreigegeben; aber da die Neichsregierung von nuu an alles Gold, dasihr in Deutschland angeboten wurde, zu Preisen ankaufte, welche nichtwesentlich niedriger waren, als der Ausmünzungswert des Goldes, konntedie deutsche Valuta fernerhin nicht mehr erheblich über ihre Gold-parität steigen.
Der deutschen Valuta war also vom Ende des Jahres 1871 an eineallerdings nicht ganz feste obere Grenze gezogen.
Der Goldgehalt der neuen Reichsgoldmünzen wurde im Gesetz vom4. Dezember 1871 auf Grundlage der Relation von 15^/s: 1 zwischenGold und Silber bestimmt. In den folgenden Jahren trat ein erheblicherRückgang des Silberpreises ein, und damit sank der Silberwert derdeutschen Silbermünzen, welche noch für Jahre hinaus den weitausgrößeren Teil des deutschen Goldumlaufs bildete»?, unter den ihnen bei-gelegten Goldwert.
Damit war, während die deutsche Valuta durch die Goldankäufeder Reichsregierung nach oben begrenzt war, die Möglichkeit eines erheb-lichen Sinkens nnter die Goldparität gegeben.
In den folgenden Jahren änderte sich qualitativ an diesen Verhält-nissen nichts. Dagegen führten die starken Goldprägungen der Reichs-regierung verbunden mit der Einziehung der Landessilbermünzen starkeVerschiebungen in der Zusammensetzung des deutschen Geldumlaufes herbei.Während beim Beginn der Münzreform das Goldgeld nur 12,4 Prozentdes gesamten deutschen Metallgeld-Bestandes ausmachte, kamen um dieMitte des Jahres 1874 bereits 43,7 Prozent aus das Goldgeld
Je mehr der verhältnismäßige Anteil des Silbers an der Gesamt-Zirkulation verringert wurde, desto geringer wurde für sich betrachtetdie Gefahr und die Möglichkeit eines Sinkens der deutschen Valuta unterihre Goldparität.
Trotzdem gingen die ersten Jahre der Reform, in welcher der Anteildes Goldes an der Gesamtzirkulation noch sehr gering war, vorüber,ohne daß die deutsche Valuta jemals unter ihre neue Goldparität ge-sunken wäre. Der Preis des Goldes in Berlin schwankte in den Jahren
i Siehe Tabelle S. 402.