Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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1871 bis 1873 meist zwischen 460 und 464^2 Thaler pro Pfund fein,stand also zeitweise bis zu 5 Thaler unter seinem Ausmünzungswert.Der Wechselkurs auf London überstieg nur in seltenen Fällen seineParität.

Dabei war der Silberpreis in London am Ende des Jahres 1873bis auf 58 ä gesunken, etwa 5 Prozent uuter den Preis, welcher demdeutschen Währungswechsel zu Grunde gelegt worden war.

Wenn sich trotzdem die deutsche Valuta damals bei einem Goldpreisvon 463 bis 463V2 Thaler um etwa >/s Prozent über ihrer Goldparitäthielt, so lag der Grund in der fortgesetzt starken Nachfrage nach deutschenZahlungsmitteln, uud zwar so gut wie ausschließlich in diesem Umstand;denn weder die Landessilbermünzen, welche damals noch den größtenTeil des deutscheu Metallumlaufs bildeten, noch das Papiergeld und dieBanknoten waren in Goldgeld einlösbar. Die Einlösung der Landes-silbermünzen war allerdings durch das Münzgesetz vom 9. Juli 1873 imPrinzip angeordnet, aber es war für ihre Einlösung keine Frist vor-geschrieben, und hinsichtlich der Thaler ist diese Einlösung bis zumheutigen Tag noch nicht vollendet. Niemand hatte jemals ein Rechtdarauf, für Thaler oder für andere Landessilbermünzen ihren Gegenwertin Reichsgoldmünzen zu verlangen- Der Kredit des Reichs war nichtfür die Aufrechterhaltung der den Landessilbermünzen beigelegten Gold-parität engagiert, er kann also nicht der ausschlaggebende Grnnd für dieErhaltung der deutschen Valuta gewesen sein. Nnr insoweit konnte erdazu beitragen, als er die Durchfübrung des Währnngswechsels alsfinanziell möglich erscheinen ließ. Aber durch dieses allgemeine Vertrauenkonnte eiu zeitweiliges Herabgehen der deutschen Valuta unter ihre Gold-parität, wie sich später zeigte, nicht verhindert werden; denn die Aussicht,für eine Summe von Landessilbermünzen nach langen Jahren ihren Gegen-wert in Reichsgoldmünzen zu erhalten, war nicht stark genug, um diedeutsche Valuta während der Dauer der Übergangszeit hochzuhalten,namentlich nicht während der ersten Jahre der Reform.

Wenn wir also in dem durch die französische Kriegskosten Entschädigunggeschaffenen starken Begehr nach deutschen Zahlungsmitteln die Haupt-ursache des hohen Standes der deutschen Valuta während der erstenJahre der Reform erkennen, dann ergiebt sich von selbst, durch welcheUmstände in erster Linie ein zeitweiliges Sinken der deutschen Valutahervorgerufen werden konnte: Durch eine starke Verminderung der Nach-frage unch deutschem Geld.