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Vor allein die Gestaltung der Handelsbilanz, über welche folgende,der offiziellen Reichsstatistik entnommenen Zahlen Aufschluß geben:
Waren-Einfuhr1000 Mark
Waren-Ausfuhr1000 Mark
Überschuß der Einfuhr1000 Mark
1872
3,262.080
2,320,620
941.460
1873
3.7S6.033
2.301.788
1.454.245
1874
3,604.659
2.353.080
1.251.579
1875
3.S31.170
2.495.000
1.036.170
Zweifellos haben wir es hier mit einem ungewöhnlich hohen Einfuhr-überschuß zu thun. Diese stark ungünstige Handelsbilanz war, wie Nassedamals in einer vorzüglichen Abhandlung ^ ausführte, gleichfalls eine Folgeder Kriegskontribution.
„Wie sollte auch wohl", so schrieb Nasse, „eine solche Kapital-übertragung anders erfolgen als durch eine ungünstige Handelsbilanz desLandes, nach welchem das Kapital übertragen wird, und eine günstigedesjenigen, aus welchem die Übertragung stattfindet.
„Wenn mir mit französischem Kapital Festungen und Eisenbahnenbauen wollen, so nehmen wir, wie sich von selbst versteht, keine fremdenWertpapiere, so brauchen wir auch kein französisches Gold oder Silber,sondern wir müssen in stand gesetzt werden, einen Teil der Vermögens-nutzungen und Arbeitsleistungen, welche sonst für die Gewinnung deslaufenden Bedarfs unseres Volks thätig sind, eine Zeitlang für diesenZweck zu entbehren und zur Herstellung neueu Kapitals iu Eisenbahnenund Festungen verwenden zu können. Das kann aber nur dadurch ge-schehen, daß uns der Ausfall in der Produktion für den täglichen Bedarf,sowie die Mehrkonsumtion der besser gelohnten Arbeiter durch eineZufuhr fremder Produkte ersetzt wird."
Eine ungünstige Handelsbilanz muß uun an sich durchaus nicht un-bedingt zu einer ungünstigen Edelmetallbewegung, zu eiuem Abfluß vonEdelmetall nach dem Ausland führen. Deutschlaud, das schon vor demKrieg überwiegend Gläubiger des Auslandes war, hatte gerade durchdie Milliardenzahlung, welche eine große Menge ausländischer Wert-papiere nach Deutschland führte, einen bedeutenden Zuwachs feiner
i Die Münzreforin und die Wechselkurse, Hirths Annalen 1875 S. 595 ff.