— 430 —
keineswegs unbedingt eine Valntakrisis hervorgehen. Der deutsche Metall-geldvorrat bestand damals bereits zu etwa 44 Prozent aus Gold, hattealso bereits eine verhältnismäßig günstige Zusammensetzung. AndereLänder, z. B. die Niederlande, haben bei einer ungünstigeren Lageihres Geldwesens vorübergehende Abflüsse von Gold ohne eine Ent-gleisung ihrer Valuta ertragen.
Freilich bedeutete der um die Mitte des Jahres 1874 eintretendeUmschwung die Ablösung des ausländischen Bedarfs nach Zahlungsmittelnfür Deutschland durch eiueu deutschen Bedarf nach Zahlungsmitteln fürdas Ausland. Ein Steigen der ausländischen Wechselkurse war damitunvermeidlich, aber aus der Thatsache der für Deutschland ungünstiggewordenen Zahlungsbilanz folgte keineswegs an sich und mit Notwendig-keit ein Steigen der ausländischen Wechselkurse über die normale Grenze(die Ausfuhrpunkte für Gold), ebensowenig eil? Steigen des Goldpreisesüber den Ausmüuzungswert des Goldes und ein Agio für Reichsgold-münzen.
Wenn trotzdem auch diese letzteren Erscheinungen eintraten, so habenwir die Gründe dafür in der besonderen Beschaffenheit des damaligendeutschen Geldwesens und namentlich auch in dem Verhalten der deutschen Zettelbanken zu suchen.
Daß die Beschaffenheit des deutschen Geldwesens die Möglichkeiteines Sinkens der deutschen Valuta unter ihre Goldparität bot, diesenSatz haben wir an die Spitze dieses Abschnittes gesetzt.
Diese Möglichkeit war durch die beträchtliche Zunahme desGoldumlaufs und die Verringerung des Silbergeldes geringer geworden,aber sie bestand noch fort, solange nicht die Möglichkeit gegeben war,jederzeit für deutsche Silbermünzen und deutsche Zettel Goldgeld zuerhalten.
Goldgeld allein war aber als Rimesse für das Ausland brauchbar,denn der Wert des Goldgeldes allein deckte sich mit seinem Stoffwert,während der Wert des geprägten Silberthalers damals schon um 6 bis7 Prozent höher war, als der Wert seines Silbergehaltes. Ganz davonabgesehen, daß um die Mitte des Jahres 1874 die Silberprägung ausden Münzstätten der wichtigsten Länder, an welche Deutschland bareZahlungen zu leisten hatte, gesperrt oder beschränkt war, hätte sich dieVersendung und Umprägung deutschen Silbergeldes nur dann gelohnt,wenn die deutsche Valuta um den vollen Betrag der Silberentwertungseit 187 l, um etwa 7 Prozent, unter ihre Goldparität herabgegangen