Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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wäre. Der niedrigste Stand, welchen die deutsche Valuta, gemessen andem Berliner Goldkurs, erreichte, war bei einem Goldpreis von1405 Mark pro Pfund fein etwa 0,72 Prozent unter der Gold-parität.

Nun machte um die Mitte des Jahres 1874 das Gold zwar etwa44 Prozent des gesamten deutscheu Metallgeld-Bestandes aus; an Reichs-goldmünzen waren bis zu diesem Zeitpunkte etwa 1.040 Millionen Markausgeprägt. Aber in dem freien Umlauf waren die Reichsgoldmünzennoch eine seltene Erscheinung.

Von den bis zur Mitte des Jahres 1874 ausgeprägteu deutschenGoldmünzen lagen zunächst 120 Millionen Mark im Juliusturm. DiePreußische Bank hatte am 7. Juli 1874 einen Goldvorrat von etwa482 Millionen Mark, der allerdings zum Teil aus Goldbarren und aus-ländischen Goldmünzen bestand. Jedenfalls überstieg der Bestand derübrigen deutscheu Zettelbanken an Reichsgoldmünzen den Bestand derPreußischen Bank an Goldbarren und ausländischen Sorten um ein Be-trächtliches, sodaß man den damaligen Vorrat von Reichsgoldmünzen inden deutschen Zettelbanken aus mindestens 500 Millionen Mark veran-schlagen muß. Erhebliche Bestände von Reichsgoldmünzen befanden sichaußerdem in den Kassen des Reichs und der Bundesstaaten.

Unter diesen Umständen mnßte es natürlich seine Schwierigkeitenhaben, größere Summen Goldmünzen behufs der Versendung nach demAuslande aus dem freien Verkehr zu ziehen. Ein Agio auf Reichsgold-münzen uud eiu Steigen des Goldpreises über den Goldausmünzungs-wert mußte also entstehen, sobald die Banken, in deren Besitz min-destens die Hälfte des gesamten deutscheu Goldgeldvorrates sich be-fand, sich weigerten ihre Noten auf Verlangen in Gold einzulösen. So-weit es sich übersehen läßt, haben die deutschen Zettelbanken allgemeinzu dieser Weigerung gegriffen, als Gold zu Exportzwecken von ihnen ver-langt wurde. Während die Niederländische Bank zur Aufrechterhaltungihrer Valuta für Exportzwecke stets Gold verabfolgt, währeud die Bankvon Frankreich auf Verlangen in Gold zahlt, wenn auch unter Berechnungeiner Prämie, scheinen die deutschen Zettelbanken, deren Barvorratganz überwiegend aus Gold bestand, damals unbedingt auf ihrem Rechtder Zahlung in Silber bestanden zu haben. Was nutzte es min, daßder größte Teil der deutschen Banknoten durch Gold gedeckt war? So-lange die Zettelbanken ihre Noten nur in Silber einlösten, waren ihregroßen Goldbestände für die deutsche Valuta so gut wie nicht vorhanden,