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zösischen Wechselkurse waren es, welche damals die größte Steigerung auf-wiesen. Die Wechsel auf England zeigten zwar gleichfalls eine beträcht-liche Kurssteigerung, aber sie erreichten damals noch nicht den Ausfuhr-punkt für Gold, während die Wechsel auf Frankreich bereits im Augustzeitweise die Ausfuhr von Gold ermöglichten.
Durch die Zeitungen gingen vielfach stark übertriebene Nachrichtenüber starke Goldversenduugen aus Deutschland nach Frankreich und Bel-gien. Zweifellos sind Frankreich damals bedeutend größere SummenGold als aus Deutschland von England zugeflossen, das sich seinerseitsbemühte, zur Befriedigung des französischen Goldbedarfes Gold von aus-wärts herbeizuziehen. Es gelang jedoch damals noch nicht, von Deutsch-land nennenswerte Beträge zu erhalten.
Nichts desto weniger hatten die Nachrichten über den Goldabfluß eineförmlich alarmierende Wirkung. Vor allem hielt es die Preußische Bank für ihre Pflicht, dein Steigen der auswärtigen Wechselkurse und demGoldabfluß entgegenzutreten.
Sie benutzte den erfahrungsgemäß im Herbst eintretenden starkenGeldbedarf zu einer Erhöhung ihres Diskontsatzes auf 5 Prozent (am3. Oktober). Der Privatdiskont folgte, aber nur zögerud und unvoll-ständig. Ende Oktober sank er wieder auf 4 Prozent, im November ginger sogar unter 4 Prozent hinab.
Immerhin zeigte sich eine Wirkung dieser Maßregel auf das Ver-halten der deutschen Valuta. Die Wechselkurse auf Frankreich gingenim Oktober zeitweise bis ans also bis nahe auf die Parität hiuab,
die Kurse auf England sanken vorübergehend sogar unter die Parität,und der Preis des Goldes, welcher im September bis auf 469 Thaler— 1407 Mark! — gestiegen war, sank im Oktober gleichfalls zeitweisebis auf seinen Ausmünzuugswert.
Als im November der deutsche Marktzinsfuß zurückging, währendder Londoner Diskont eine steigende Richtung zeigte und während nament-lich Brüssel dauernd einen hohen Privatdiskont hatte, trat von neueinein Steigen der Wechselkurse und des Goldpreises und eine Versendungvon Gold ein. Die Preußische Bank suchte diesen Erscheinungen aber-mals durch eine Diskonterhöhung entgegenzutreten. Am 23. Novembererhöhte sie ihre Rate auf 6 Prozent. Aber diesesmal hatte die Maß-regel keinen Erfolg, da sie nicht, wie im Oktober, durch einen thatsächlichenGeldbedarf auf dem offenen Markte unterstützt wurde. Der Privat-diskont ging nur bis 4^2 Prozent in die Höhe, und auch das nur für
Helfferich, Beiträge zur Geldreform. 28