Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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wenige Tage. In der ersten Dezemberhälfte sank er bis auf 3^4 Prozent,also volle Prozent unter den Bankdiskont.

Diese Thatsache zeigt, wie wenig die Preußische Bank damals imStande war, deu Geldmarkt zu beherrschen. Der Grund ist nicht nuriu dem Umstand zu suchen, daß die Preußische Bank keine Centralbankwar, daß ihr andere Notenbanken Konkurrenz machen uud ihre Diskont-politik durchkreuzen konnten. Auch die mächtigste Centralbank ist außerstand, den Markt dauernd zu einer Zinserhöhung zu zwingen, die nichtdurch die thatsächliche Lage der Verhältnisse geboten ist, welche vielleichtsogar der Lage des Marktes widerspricht. Ist eine gewisse Geldknappheitvorhanden, sind die Privatdiskonteure nicht im stand, alle ihnen ange-botenen Wechsel zu diskontieren, oder können sie das nur, indem sieselbst Geld aus der Centralbank beziehen, dann kann die Bank den Dis-kont mit Leichtigkeit regulieren. Im übrigen kann sie nur vor Gefahrenwarnen und auf Verhältnisse vorbereiten, deren Herannahen sie eherwahrzunehmen im stände ist, als der Geldmarkt. Dagegen muß, wennauf dem offenen Markte reichlich flüssige Mittel vorhanden sind, ein An-ziehen der Diskontschraube seitens der Centralbank, einerlei aus welchenGründen sie erfolgt, auf die Dauer ihre Wirkung versagen.

So hatte auch dainals die Preußische Bank , als sie, um dem sichmit Notwendigkeit ans der Lage der Dinge ergebenden Goldabflußvorzubeugen, trotz der relativen Geldslnssigkeit und trotz ihres eigenennicht ungünstigen Standes den Diskont auf 6 Prozent erhöhte, keinennachhaltigen Erfolg.

Nur ganz vorübergehend gelang es, die auswärtigen Wechselkurseund den Preis des Goldes etwas zu drücken, und dabei ist es zweifel-haft, ob die Wirkung ausschließlich auf die Diskonterhöhung zurück-zuführen ist. Wenigstens glaubt Nasse iu seiner erwähnten Abhandlung,den vorübergehenden Kursrückgang der auswärtigen Wechsel zum Teilauf Verkäufe fremder Wechsel seitens der Reichsregierung zurückführenzu dürfen.

Zweifellos hat Deutschland im letzten Quartal des Jahres 1874 be-trächtlich größere Mengen Gold an das Auslaud abgegeben, als in denMonaten August und September. Die Wechselkurse auf London er-reichten zeitweise den Goldpunkt; die französischen Wechselkurse über-stiegen den Goldpunkt oft sehr beträchtlich, ja ihre Durchschnitte für denNovember und den Dezember sind mit 81,5 höher als der Goldpuukt,der damals ungefähr bei 81,4 lag.