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bestandes der Preußischen Bank ein, während ihr Vorrat an Noten andererBanken eine entsprechende Zunahme auswies. Die Berliner „Börsen-zeitung" behauptete damals, diese Erscheinung erkläre sich dadurch, daßdie Preußische Bauk die kleinen Notenabschnitte der andern Banken auf-kaufe und ansammle, um dereu Beseitigung aus dem Verkehr zu be-schleunigen und sie so rasch als möglich den betreffenden Banken zurEinlösung zu präsentieren.
Diese Behauptung erscheint nicht unwahrscheinlich; denn das Ver-fahren der Preußischen Bank war sowohl für die Durchführung derdeutschen Geldreform, als auch vom Standpunkt der Preußischen Bank selbst aus sehr zweckmäßig, indem es nämlich die bisherigen kleinen Kon-kurrenten frühzeitig zn Einschränkungen zwang.
Die Verwandlung des Staatspapiergeldes in Reichskassenscheinekann dagegen einen erheblichen Einfluß auf den deutschen Geldmarkt nichtausgeübt haben, da die bisherigen Scheine der Einzelstaateu zunächstfast zu ihrem vollen Betrag durch das neue Reichspapiergeld ersetztwurden. Immerhin mag der Umtausch der alten Scheine gegen dieneuen eine gewisse Störung des Umlaufs hervorgerufen haben, welche ge-eignet war, die durch die Beseitigung der kleinen Notenabschnitte ver-ursachte Anspannung des deutschen Geldmarktes noch etwas zn ver-schärfen.
Die Wirkung aller dieser Verhältnisse auf den Geldmarkt warfolgende:
Bereits im Mai, als die auswärtigen Wechselkurse ihren Höhepuukterreichte», und als das Pfund Feingold in Berlin 1405 Mark notierte,begann eine Verschiebung der Verhältnisse des internationalen Geld-marktes einzutreten. Der Berliner Marktdiskont fing an zu steigen,während der Londoner Privatdiskont annähernd gleich blieb und derPariser Diskont einen Rückgang zeigte. In der zweiten Junihälfte stiegder Berliner Diskont auf 3^/8 Prozent, ^ Prozent über den PariserDiskont, nnd er erreichte damit fast die Höhe des englischen Marktzins-satzes (3-/2 Prozent).
Während sich vom Juli ab der Pariser Marktdiskont fast unver-ändert auf 3 Prozent hielt, wurde iu Loudon das Geld immer flüssiger.Von Aufaug Juli bis Mitte August sank dort der Privatdiskont fürDreimouatswechsel von 3V2 Prozent auf 2 Prozent; am 12. Augustsetzte auch die Bauk von England ihren offiziellen Satz auf 2 Prozentherab.