Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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sich gerade daraus ergiebt, daß einzelne dieLandessilbermünzen" be-treffenden Bestimmungen durch besondere Gesetze auf die österreichischenThaler ausgedehnt worden sind ^. Ferner schreibt der Art. 4 ausdrücklichvor, daß bei der Neuausgabe von Reichssilbermünzen zunächst Landessilber-münzen, welche nicht dem Dreißigthalerfuß angehören, einzuziehensind; d. h. unter den seit 1877 bestehenden Verhältnissen: keine Vereins-thaler, sondern Thalerstücke des 14-Thalerfußes, welch letztere noch ingroßen Mengen neben den Vereinsthalern vorhanden sind. Doch kannman sich über diese rein formellen Bedenken ruhig hinaussetzen, vs taetosind die österreichischen Thaler für den deutschen Geldumlauf von der-selben Bedeutung, wie die Thaler deutscheu Gepräges, und niemand machteinen Unterschied zwischen den Thalern des 30-Thalerfußes und des ehe-maligen 14-Thalerfußes. Dagegen erscheint gerade die baldige Beseitigungder österreichischen Thaler deshalb besonders wünschenswert, weil diesenMünzen in ihrem Ursprungsland seit Jahren der Geldcharakter entzogenist, und weil deshalb ihre Außerkurssetzung bei uns in Deutschland eineder souderbarsten Anomalien des Münzwesens aus der Welt schaffenwürde.

Während diese Arbeit sich bereits im Druck befindet, ist dem Bundes-rat eine Vorlage, betreffend die Neuprägung von 28 Millionen MarkReichssilbermünzen, zugegangen (November 1897). Da die Abschiebungder österreichischen Thaler seit 1894 beendigt ist und eine anderweitigeSilberverwertung nicht in Aussicht steht, wird durch diesen Beschluß dieFrage akut, wie sich von nun ab die Reichsregierung zu der Bestimmungim zweiten Absatz des Art. 4 des Münzgesetzes verhalten wird. Zur Aus-prägung von 28 Millionen Mark in Reichssilbermünzen sind nur 25,2Millionen Mark österreichischer Thaler notwendig, während das Münzgesetzdie Einziehung von 28 Millionen Mark Landessilbermünzen verlangt.

Der noch vorhandene Nest von österreichischen Thalern dürfte dieseletztere Summe nicht wesentlich übersteigen. Ende April 1894 lagenetwa 47 Millionen Mark österreichischer Thaler in der Reichsbank; imfreien Verkehr befanden sich nur noch verschwindende Beträge, höchstens4 bis 5 Millionen Mark. Seither sind etwa 20 Millionen Mark zurEinziehung gelangt, so daß gegenwärtig noch ein Rest von kaum über30 Millionen Mark vorhanden sein dürfte. Mit der vom Bundesrat be-

Gesetze vom 4. April 1874 und vom 23. Februar 1892.