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bringt es mit sich, daß die Privatnotenbanken bei geringem Geldbedarfdie Diskontsätze der Reichsbank unterbieten und sich dadurch ein starkesWechsel-Portefenille und einen hohen ungedeckten Banknoten-Umlaufsichern. Infolgedessen ist selbst in normalen und ruhigen Zeiten ihrStatns derartig angespannt, daß sie außer stand sind, gesteigerte An-sprüche zu befriedigen, ohne ihrerseits durch Rediskontierungen auf dieReichsbauk zurückzugreifen.
So wird die Aufgabe, den Schwankungen des Geldbedarfs zu ge-nügen, vollständig auf die Reichsbank übergewälzt.
Die Wirkung ist eine bedeutende Erschwerung der Thätigkeit derReichsbank. Je größer die Schwankungen ihres Notenumlaufs im Ver-hältnis zu ihrem gesamten Notenumlauf sind, desto peinlicher muß dieReichsbank dahiu streben, ihren durchschnittlichen Notenumlauf aufeinem möglichst geringen Umfang zu erhalten. Denn je größer dieSchwankungen sind, desto größer sind die Abweichungen von dem durch-schnittlichen Stand, und je größer die Abweichungen, desto schwächer wirdder Status der Bank in den Zeiten großer Anspannung. Wie sehr dieVerhältnisse die Reichsbank zu einer Einschränkung ihres durchschnittlichenungedeckten Notenumlaufs genötigt haben, zeigt eine Gegenüberstellungder Maxima und der Durchschnitte ihres ungedeckten Notenumlaufs füreinzelne Perioden.
Periode»
Durchschnittl. unge-deckter Notenumlaufs
1000 Mark
Maximum des unge-deckten Notenumlaufs
1000 Mark
Differenz1000 Mark
1876-1880
102.263
242.201
139.938
1881—188S
117.113
306.551
189.438
1886—1890
73.943
396.058
322.115
1891—1896
48.879
441.633
392.804
1896
1S8.191
427.547
269.356
1897
180.872
499.234
318.362
Wenn innerhalb der letzten fünfjährigen Periode das Maximum desungedeckten Notenumlaufs um 392.804.000 Mark höher ist, als derDurchschnitt, so liegt darin gewiß eine starke Nötigung, den Durchschnittniedrig zu erhalten. Wenn wir sehen, daß trotz der Verminderung des
i Berechnet nach den 48 Wochenübersichten, daher die Abweichung von denZahlen auf S 472.