Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
480
Einzelbild herunterladen
 

480

bringt es mit sich, daß die Privatnotenbanken bei geringem Geldbedarfdie Diskontsätze der Reichsbank unterbieten und sich dadurch ein starkesWechsel-Portefenille und einen hohen ungedeckten Banknoten-Umlaufsichern. Infolgedessen ist selbst in normalen und ruhigen Zeiten ihrStatns derartig angespannt, daß sie außer stand sind, gesteigerte An-sprüche zu befriedigen, ohne ihrerseits durch Rediskontierungen auf dieReichsbauk zurückzugreifen.

So wird die Aufgabe, den Schwankungen des Geldbedarfs zu ge-nügen, vollständig auf die Reichsbank übergewälzt.

Die Wirkung ist eine bedeutende Erschwerung der Thätigkeit derReichsbank. Je größer die Schwankungen ihres Notenumlaufs im Ver-hältnis zu ihrem gesamten Notenumlauf sind, desto peinlicher muß dieReichsbank dahiu streben, ihren durchschnittlichen Notenumlauf aufeinem möglichst geringen Umfang zu erhalten. Denn je größer dieSchwankungen sind, desto größer sind die Abweichungen von dem durch-schnittlichen Stand, und je größer die Abweichungen, desto schwächer wirdder Status der Bank in den Zeiten großer Anspannung. Wie sehr dieVerhältnisse die Reichsbank zu einer Einschränkung ihres durchschnittlichenungedeckten Notenumlaufs genötigt haben, zeigt eine Gegenüberstellungder Maxima und der Durchschnitte ihres ungedeckten Notenumlaufs füreinzelne Perioden.

Periode»

Durchschnittl. unge-deckter Notenumlaufs

1000 Mark

Maximum des unge-deckten Notenumlaufs

1000 Mark

Differenz1000 Mark

1876-1880

102.263

242.201

139.938

1881188S

117.113

306.551

189.438

18861890

73.943

396.058

322.115

18911896

48.879

441.633

392.804

1896

1S8.191

427.547

269.356

1897

180.872

499.234

318.362

Wenn innerhalb der letzten fünfjährigen Periode das Maximum desungedeckten Notenumlaufs um 392.804.000 Mark höher ist, als derDurchschnitt, so liegt darin gewiß eine starke Nötigung, den Durchschnittniedrig zu erhalten. Wenn wir sehen, daß trotz der Verminderung des

i Berechnet nach den 48 Wochenübersichten, daher die Abweichung von denZahlen auf S 472.