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Auch seit jenem Jahr haben zeitweise große Exporte von Reichs-goldmünzen stattgefunden, namentlich nach den Vereinigten Staaten (Anfang der 80er Jahre), nach Rußland und nach Österreich . Man darfjedoch nicht außer Acht lassen, daß die exportierten Reichsgoldmünzenjedenfalls nur zu einem geringen Teil eingeschmolzen und umgeprägtworden sind, während der größere Teil bei günstigen Konjunkturen nachDeutschland zurückgekehrt ist. Der Ankauf fremder Goldmünzen seitensder großen Notenbanken hat eine Umprägung in weitem Umfang über^flüssig gemacht. Fremde Goldmünzen bilden einen großen Teil des Bar-vorrats jeder Zentralbank, welche sie, anstatt sie umzuprägen, im Um-lauf durch Banknoten vertreten läßt und sie im Bedarfsfall wieder andas Ausland verkauft. Die deutsche Reichsbank hat allein im Jahre1894 für mehr als 113 Millionen Mark deutsche Reichsgoldmünzen ausdem Ausland angekauft und diesen Betrag, welcher unter ungünstigenVerhältnissen nach dem Alisland abgeflossen war, für die deutsche Zirku-lation zurückgewonnen. Ebenso sind gegen Ende des Jahres 1897 großeSummen von Doppelkronen aus Österreich an die Reichsbank zurückgeflossen.
In Anbetracht dieser Verhältnisse dürfte ein allzuhoher Satz fürden Goldabfluß nach dem Ausland nicht in Anschlag zu bringen sein.
Mit den Einschmelzungen von Reichsgoldmünzen im Inland habenwir uns bereits an einer anderen Stelle ^ beschäftigt und dort den jähr-lichen Betrag auf 10 Millionen Mark veranschlagt. Das würde für die18 Jahre von 1880 bis 1897 eine Summe von 180 Millionen Markergeben. Veranschlagt man die exportierten und nicht wieder zurück-gekehrten Neichsgoldmünzen ungefähr ebenso hoch, so würde man für dieZeit von 1880 bis Ende 1896 einen Abgang von ungefähr 360 Mil-lionen Mark erhalten: zusammen mit den 240 Millionen Mark, welchevor 1880 eingeschmolzen und exportiert worden sein dürften, ergiebt sichalso eine Summe von 600 Millionen Mark.
Ich glaube, daß diese Summe reichlich hoch gegriffen ist. EineVergleichung mit den Abgängen der vor der Münzreform geprägtenSilbermünzen — die Goldmünzen können wegen der hier obwaltendenbesonderen Verhältnisse nicht zur Vergleichung herangezogen werden— bestätigt diese Annahme.
Der durch die Ergebnisse der Einziehung nachgewiesenen Abgang derZweithalerstücke betrug 17 "/o. Geprägt wurden die Stücke von 1838bis 1871, also während einer Zeit von 33 Jahren. Der Abgang von
> Siehe oben S. 391 und 392.