Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
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Einthalerstücken, welche in Preußen schon von 1850 ab geprägt wurden,kann gleichfalls kaum höher als auf 17 °/° veranschlagt werden. Biszur Münzreform waren diese Münzen vollwertiges Geld und eigneten sichzur Einschmelzung für industrielle Zwecke und zur Ausgleichung derZahlungsbilanz ebensogut wie unsere heutigen Reichsgoldmünzen. DieseMünzen waren ferner das Hauptumlaufsmittel während der Zeit desstarken indischen Silberbedarfs, und zweifellos sind während der 50erund namentlich während der 60er Jahre große Summen, von denen keinStück zurückkehrte, nach Indien versendet worden.

Von unsern Reichsgoldmünzen waren bis Ende 1897 über 3,2 Mil-liarden Mark ausgeprägt. Ein Abgang von 600 Millionen Mark be-deutet einen Abgang von etwa 20°/o. In Anbetracht dessen, daß dieReichsgoldmünzen erst eine Prägezeit von 26 Jahren hinter sich haben,und daß der Abgang der wichtigsten Münzsorten vor der Reform währendeiner viel längeren Zeit nur 17°/o betrug, erscheint es kaum glaublich,daß die Einschmelzuugen und Exporte von Reichsgoldmünzen wirklich dieSumme von 600 Millionen Mark erreichen. Um allen Vorwürfen einerzu niedrigen Schätzung zu begegnen, wollen wir dennoch bei dieserSumme bleiben.

Wir erhalten dann für Ende 1897 einen Bestand von Reichsgoldmünzenim Betrag von 3.235 weniger 600 Mill. Mark also etwa 2 635 Mill. Mark.

Dazu kommt der Vorrat der Reichsbank an Gold in Barren undfremden Münzen, der sich im Durchschnitt des Jahres 1896 auf 332.814.000Mark, am Ende des Jahres 1896 auf 314.353.000 Mark und am Endedes Jahres 1897 auf 305 Millionen Mark belief.

Der gesamte deutsche Goldgeldbestand dürfte also am Ende desJahres 1897 ungefähr 2.940 Millionen Mark betragen haben.

Wir wenden uns nunmehr zu dem Thalervorrat und den Scheide-münzen.

Der Thaleroorrat (einschließlich der österreichischen Thaler) Ende Aprilwurde 1894 auf Grund vorsichtiger Schätzungen ^ auf etwa 400 MillionenMark geschätzt- Seither sind bis Ende März 1897 etwa 20 MillionenMark in deutschen und österreichischen Thalern eingezogen und zur Um-prägung in Reichssilbermünzen verwendet worden ^.

Der Thalervorrat dürfte also gegeuwärtig auf etwa 380 MillionenMark zu veranschlagen sein.

I Siehe oben S. 123 ff.

^ Siehe oben S. 103.