gegangen sind — Ausgaben geleistet werden, für die offenbar eineetatmäßige Bewilligung garnicht vorliegt. (Hört! hört! bei denDeutschnationalen.)
Das hängt zum Teil mit den Kriegsgesellschaftenzusammen, denen ja nun endlich der Hals umgedreht werden soll.(Zurufe bei den Sozialdemokraten und den Unabhängigen Sozial-demokraten .)
Im Kriege waren sie notwendig. Aber wir sind doch jetztmehr als anderthalb Jahre über den Krieg hinaus und werden dochhoffentlich allmählich alle zu der Ueberzeugung gekommen sein,daß der Zustand, wie er bisher bestanden hat, nicht weitergehenkann.
Das Schlimmste aber, das Allerschlimmste ist die Entwicklung,die unsere reichseigenen Betriebe genommen haben.Allein schon die Tatsache, daß der Herr Reichsfinanzministergestern von einem Defizit der Eisenbahnverwal-tung von 15 Milliarden gesprochen hat, sollte uns doch alle nach-denklich stimmen. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: And an denKrieg erinnern!)
Es erinnert uns gewiß an den Krieg: es erinnert auch michan den Krieg. Aber der Krieg ist nicht allein die Schuld. (Wider-spruch bei den Sozialdemokraten und den Unabhängigen Sozial-demokraten.)
Das behauptet auch der Herr Finanzminister nicht. Wieweitder Krieg Schuld ist, sollte einmal klargestellt werden. Ich habein der Budgetkommission dahingehende Wünsche geäußert, undwir behalten uns vor, Anträge zu formulieren. Wir wollen eineklare Trennung, die uns zeigt: was sind die Retablissementskosten,was muß gegeben werden, um die Eisenbahnen wieder in ihrenfrüheren Zustand zu versetzen? And welches sind die Kosten, dieunsern Eisenbahnetat dauernd belasten? Niemand von Ihnen —auch ich nicht — ist heute imstande, zu übersehen, wie die Lageder Reichseisenbahnen ist. Bor dem Kriege sind muster-gültige Ausweise über unsere Eisenbahnen veröffentlicht worden.Bor dem Kriege hatte die preußisch-hessische Eisenbahnverwaltungdie strengsten Bestimmungen darüber, was auf Anlagekonto ge-nommen werden darf, welcher Teil den allgemeinen Staatsein-nahmen zugeführt werden kann. Das alles ist abhanden ge-
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