systematischen Finanzresorm hätten erschließen müssen, konntenwir deshalb nicht erschließen. Nehmen Sie nur die enormenSummen, die England aus seinen Importartikeln, aus Kasfee,Kakao, Tee, vom «Frühstückstisch des kleinen Mannes" — wieman damals in England sagte — gezogen hak, außerdem aus Bierund Branntwein. Wie sollten wir Kaffee, Tee und ähnliche Dingebesteuern? Wir bekamen sie ja auch ohne Steuern nicht herein!(Erneute Zurufe von den Sozialdemokraten.)
Wie sollten wir Bier und Branntwein besteuern? — Wirmußten ja ihre Herstellung einschränken und verbieten! (Zurufevon den Sozialdemokraten: Kriegsgewinne!)
Wir haben ja zu meiner Zeit als Schatzsekretär eine Kriegs-gewinnsteuer gemacht, die einen Ertrag von 6 Milliarden gebrachthat) und die großen Kriegsgewinne — um das auch einmal zu er-wähnen — liegen nicht zu meiner Zeit als Finanzminister, die sinderst später entstanden, vom Herbst 1916 an! (Erneute Zurufe vonden Sozialdemokraten.)
Ich bin schon im Mai 1916 aus dem Schatzamt ausgeschieden.
Jedenfalls stehen wir jetzt in der Einnahmewirtschaft voreinem Steuersystem, das Stück für Stück der Nationalver-sammlung vorgelegt worden ist, das keinen organischen Zusammen-halt hat — das wird doch niemand behaupten können —, das einsolches Matz von Unübersichtlichkeit ausweist, das in sich so starkkollidiert, daß nicht einmal die Finanzämter über die DurchführungBescheid wissen, — ein Finanzsystem, das so kompliziert gewordenist, daß es nach meiner Ansicht überhaupt nicht durchgeführt wer-den kann. Sie werden alle noch mithelfen, daß wir diese Steuer-gesetze in einen Schmelztigel werfen und völlig umschmelzen, damitsie überhaupt durchführbar werden. (Sehr wahr! bei den Deutsch -nationalen.)
Dazu kommt die Zerrüttung der Ausgabewirt-schaft. Ich brauche garnicht in stärkeren Ausdrücken zu sprechen,als es von den Rednern der Koalitionsparteien geschehen ist. Ichbrauche nur an das Wort von der „Berbeamtung" zu erinnern,daran, daß heute noch in der Verwaltung Pauschquanten bestehen,daß an allen Ecken und Kanten mit Pauschquanten gewirtschaftetwird, und daß da und dort immer noch aus diesen Pauschquanten— das sind Mitteilungen, die unwidersprochen durch die Zeitungen
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