..Unglück" passiert. Aber dasselbe Unglück ist doch auch bei denEisenbahnen vorgekommen, und ich glaube, in der Budgetkom-mission haben Sie gerade darauf das Wort „Unglück" angewendet.
Jedenfalls ist bei der Umwandlung der Staatseisenbahnen inReicheisenbahnen folgendes passiert: Während verhandelt wurde,zu einer Zeit, als bereits feststand, daß die Ueberführung auf dasReich stattfinden solle, haben die Einzelstaaten noch raschAenderungen in der Besoldungsordnung durch-geführt, ohne das Reich davon vorher in Kenntnis zu setzen, undheute soll nun das Reich die Folgen dieser von den Einzelstaatenvorgenommenen Aenderungen ihrer Besoldungsordnungen tragen.Das kostet nach den Erklärungen des Herrn ReichsfinanzministersMilliarden und vermehrt das Defizit weiter.
Ich frage, wie ist es möglich, daß, während zwei Parteienüber eine derartige gewaltige Transaktion verhandeln — das Reichzahlt rund 4V Milliarden für die Eisenbahnen, die heute in derDefizitwirtschaft stecken —, wie ist es möglich, daß da die eine derverhandelnden Parteien ohne Rücksicht auf die andere eigen-mächtige Aenderungen durchführt, die die Substanz des Berhand-lungsgegenstandes berühren und seine Rentabilität noch weiter inFrage stellen? Das ist einfach unerhört! Und da trifft die Ber-antwortung nicht die Einzelstaaten allein. Das Reichsverkehrs-ministerium ist doch zu dem Zweck geschaffen worden, um für eineeinheitliche Behandlung zu sorgen. Daran hat es gefehlt. Das istein Borwurf, um den Sie nicht herumkommen. Das hätte nichtpassieren dürfen. (Sehr richtig! bei den Deutschnationalen.)
Dann weiter die Eisenbahnverwaltung selbst. Was sollen wirdazu sagen, wenn wir vom Reichssinanzminister oder von einemHerrn aus dem Reichsverkehrsministerium hören: man verhandeltjetzt über einen Tarifvertrag mit den Eisenbahnern,und da stellt sich heraus, daß ein Schaffneranwärter 3MV MarkZahresgehalt mehr bekommt als ein etatmäßiger Schaffner selbst?(Zurufe rechts: Unerhört! — Rufe von den Sozialdemokraten:Hungerlöhne!)
Auch früher war der Andrang von Leuten zur Eisenbahnver-waltung so groß, daß ich glaube, die Meinung über die elende Be-soldung der Eisenbahnbeamten war doch nicht so allgemein. (Zu-
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