ruf von den Sozialdemokraten: Sie haben die Leute verhungernlassen!)
Jedenfalls ist es nicht möglich, daß ein Anwärter 3VW Markmehr bekommt als der Inhaber der Stelle selbst. Das bedeutet,daß Sie in kürzester Zeit die Besoldungsordnung wieder ändernmüssen, daß höhere Gehälter eingeführt werden müssen. SolcheVerhandlungen können nicht mit der rechten Hand geführt werden,ohne daß die linke etwas davon weiß. Das sind Dinge, die nichtweiter so gehen können.
Meine Damen und Herren! Der Herr Reichsfinanzministersoll — ich weiß nicht, ob es stimmt, aber jedenfalls stand es so inden Zeitungen — einige Wochen vor den Wahlen das Wort aus-gesprochen haben: Wenn es bei den Reichseisenbahnenweiter so geht wie jetzt, wenn diese Defizitwirtschaft nichtabgestellt werden kann, muß der Gedanke in Erwägung gezogenwerden, den Betrieb unserer reichseigenen Verwaltung an fremdeKapitalgesellschaften zu übertragen. (Hört! Hört! bei den Deutsch -nationalen.) Das stand in den Zeitungen. (Reichsfinanzministervr. Wirth: In den Zeitungen steht viel!) Aber ich glaube, daßein solcher Zeitungsausschnitt der Regierung vorgelegt wird undwerk ist, daß diese Nachricht dementiert wird. (Reichsfinanz-minister Dr. Wirth: Ich habe das in meiner großen Etatsrede er-wähnt!) Es freut mich, wenn es dementiert ist.
Bor dem Kriege waren wir diejenigen, die draußen in derWelt den Rus genossen, daß unser Eisenbahnbetrieb musterhaftorganisiert ist. Vertreter anderer Nationen sind zu uns gekommenund haben unsere Betriebe studiert, und diese Stellung in der Weltwollen wir uns doch Wiedererkämpfen. (Sehr richtig! bei denDeutschnationalen.)
Wir wollen doch wieder herauskommen aus die alte Höhe derLeistungen. Das ist aber unmöglich, wie die Dinge jetzt liegen.Wenn hier nicht gründlich Abhilfe geschaffen wird, find wir aufdem Wege zum Bankrott unseres Staatsbahnsystems, und daswürde ich aufs tiefste bedauern. Ich habe es immer für ein großesGlück gehalten, daß eine Volkswirtschaft wie die deutsche einen sogroßen Staatsbetrieb organisch in sich trägt, und ich möchte, daßdieses große Gebilde wieder leistungsfähig gemacht wird. Ichwürde es aufs tiefste bedauern, wenn auf dem Wege, den Bismarck
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