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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
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mit der Schaffung des Staatsbahnsystems eingeschlagen hat, eineUmkehr erfolgen müßte, und das alles aus dem Unvermögender Staatsverwaltung heraus, diesen Betrieb ordentlich zu führen.(Sehr richtig! bei den Deutschnationalen.)

Meine Damen und Herren! Das schlimmste war für michin der Rede des Herrn Reichsfinanzminifters die Trost-losigkeit des Ausblicks. Die Rede des Herrn Reichs-finanzministers war eine Schilderung der furchtbaren Lage,in der wir uns befinden- aber ich habe mich vergebens bemüht,darin ein Wort darüber festzustellen, nach welcher Richtung sichnun die Regierung anstrengt, um über diese Lage Herr zu werden.(Sehr richtig! bei den Deutschnationalen.)

Zch habe daraus einen Quietismus entnommen, der mich er-schreckt hak. Wir sind in einer Lage, die uns nicht gestattet, ruhigdazusitzen und Darstellungen mit anzuhören: das Reichseisenbahn-defizit beträgt soundsoviel, das Defizit für diese und jene Betriebebeträgt soundsoviel, für die Post eine Milliarde, für die Eisen-bahnen 13 bis 2(1 Milliarden, für das Reich 5(1 Milliarden: dieZahlungen an die Entente betragen soundsoviel, wir brauchen so-undsoviel für die Abwicklungen, die noch aus dem Kriege her-stammen, und ähnliche Dinge. Es ist Sache der Regierung, hiereinen Ausweg zu suchen und zu finden. Ich muß sagen: wennheute von mir verlangt würde, Borschläge zu machen, müßte ich dasablehnen. Aus dem Handgelenk ist das nicht möglich. Ohne einevollständige Offenlegung der Verhältnisse bis in die Einzelheitenwird auch der beste Fachmann nicht in der Lage sein, zu sagen: hieroder dort mußt du den Hebel ansetzen und eingreifen. Wir, diewir draußen stehen, haben in die Finanzgebarung und überhauptin das innere Räderwerk jetzt keinen Einblick und können nur indem einen oder anderen Falle, wenn Mißstände zu unserer Kennt-nis gekommen find, den Finger darauflegen: aber Borschläge zumachen, die für eine gründliche Reform notwendig find, ist Aufgabeder Regierung. Ich muß sagen: wenn ich Reichsfinanzministerwäre, und ich würde mir sagen müssen, daß ich gegenüber dieserEntwicklung gänzlich ratlos dastehe, daß ich nicht weiß, was ich tunsoll, dann würde ich aufhören, Reichsfinanzminister zu sein. (Sehrrichtig! bei den Deutschnationalen. Zurufe von den Anabhän-gigen Sozialdemokraten.)

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