Vizepräsident Dietrich (Prenzlau ): Ich bitte um Ruhe!(Wiederholte Zurufe.)
Ich bitte, den Redner nicht weiter zu unterbrechen und ins-besondere so unpassende Ausdrücke, wie sie von der linken Seitegefallen sind, zu unterlassen; sie beeinträchtigen in hohem Maße dieWürde der Versammlung! (Bravo ! — Lachen bei den Unab-hängigen Sozialdemokraten.)
Dr. Helfferich: Meine Damen und Herren! Ich weiß sogenau wie Sie wohl, daß es sehr schwer sein wird, durch vermehrteSparsamkeit den Ausgleich zwischen Verbrauch und Erzeugungherbeizuführen. (Zurufe von den Unabhängigen Sozialdemo-kraten: Machen Sie doch damit den Anfang!)
Sie wissen ja garnicht, wie ich mich einschränke und michwährend des ganzen Kriegs eingeschränkt habe! — Deshalb, weileine Beschränkung des Verbrauchs nur in engen Grenzen möglichist, ist es doppelt notwendig, die Gütererzeugung zu erhöhen. (Sehrrichtig! bei den Deutschnationalen. — Wiederholte Zurufe links.)
Es ist auch für mich begreiflich, daß der einzelne und die ein-zelnen Organisationen sich dem ehernen Druck dieser Notwendig-keit zu entziehen suchen. Es ist begreiflich, daß die einzlnen durchLohnforderungen usw. ihre Bezüge, ihren Lohn und ihr Gehalt,mit den Bedürfnissen ihres Lebens, wie sie sich im Frieden heraus-gebildet haben, in Einklang zu bringen versuchen. Das ist be-greiflich. Aber, meine Damen und Herren, es ist nicht nur so, daßwir mehr verbrauchen, als erzeugt wird, sondern bei der Herab-minderung der Arbeitskraft des deutschen Volkes, bei der Be-einträchtigung unseres ganzen wirtschaftlichen Apparates kommtnoch ein anderes hinzu. (Zurufe von den Sozialdemokraten.)
Ein Sozialdemokrat ist es, der es gesagt hat: Wir werdenunseren Verbrauch um 23 Prozent einschränken und unsereArbeitsleistung um 25 Prozent erhöhen müssen! Und ich glaubesogar, der Herr hak noch zu optimistisch geurteilt. (Unruhe links.)
Was heute vorliegt, ist nicht nur das Auseinanderklaffenzwischen Verbrauch und Erzeugung, sondern auf Grundlage derheutigen ungenügenden Ausgiebigkeit der Arbeit ein Ausein-anderklaffen zwischen Arbeitsleistung unddem Arbeitsentgelt. (Sehr richtig!)
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