Vorhin hat der Ernährungsminister in ähnlicher Weise wieauch der Herr Reichskanzler von der drohenden Gefahr einerwirtschaftlichen Krisis gesprochen, von der Gefahr,daß Betriebe stillgelegt werden müssen, weil sie nicht aufrecht-erhalten werden können, auch dort nicht, wo der Unternehmerbereit ist, Opfer zu bringen und mit Verlust zu arbeiten. (Zurufebei den Sozialdemokraten und Anabhängigen Sozialdemokraten.)
Gewiß, es gibt solche sehr wohl. Sie haben wohl noch nievon einem Unternehmer oder von einer Aktiengesellschaft gehört,die mit erheblichen Verlusten gearbeitet haben? Ich leider osigenug. — Meine Damen und Herren! Das notwendige Endeeines dauernden Auseinanderklaffens von Arbeitsleistung undArbeitsentgelt ist die Stillegung der Betriebe. DieBetriebe können über eine gewisse Verlustgrenze hinaus nichtweiter geführt werden. Das gilt nicht nur für die Betriebe, diein den Händen von Privatunternehmern find, fondern auch fürkommunale Betriebe, wie die kommunalen Straßenbahnen. Inwie vielen Städten haben heute schon die Straßenbahnen still-gelegt werden müssen, weil sie nicht das einbringen, was die Lohn-bezahlung und die Materialbeschaffung erfordert! Da sehen Siedie Wirkung bei den kommunalisierten Betrieben, wo das Privat-Kapital überhaupt keine Aolle spielt. Der Privatunternehmerkann natürlich ebensowenig, wie die Kommune unbeschränktMittel zur Verfügung stellen. Wenn es nicht gelingt,Arbeitsleistung und Arbeitsentgelt wieder in Einklang zu bringen,wird deshalb in Deutschland ein Betrieb nach dem anderen ein-gehen. Wir stehen heute schon vor dem unsinnigen Zustand, daßgleichzeitig die Arbeitslosigkeit zunimmt und der Bevölkerung dienötigen Erzeugnisse fehlen. Solche Zustände zu verhüten, habenSie dasselbe Interesse wie wir. (Sehr richtig! bei den Deutsch -nationalen.)
Nun nehmen Sie den Staat. Der Staat gilt als allmächtig.Ihm kann man alles zumuten. Wir sprachen vorhin von demgrößten Staatsbetrieb, von den Reichseisenbahnen. Die Reichs-eisenbahnen haben ein Defizit von 2V Milliarden. Das Reich —so denkt man — kann es tragen. Es hat das Hilfsmittel, dasPrivate und Kommune nicht haben: es druckt Papiergeld. Aber,meine Damen und Herren, dieses Drucken von Papiergeld, um die
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