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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
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dieser Besitz liegt ja nicht in Goldbarren da, in Goldstücken, dieohne weiteres übertragen werden können, er ist auch nicht durch-weg in Reichsanleihen und ähnlichem angelegt, die das Aeich be-nutzen kann, um seine Schulden zu verringern, sondern ein großerTeil dieses Besitzes ist investiert in Grund und Boden, in land-wirtschaftlich genutzten Grundstücken, in Fabriken und Werk-statten, in Bergwerken, Aktien, G. m. b. H.-Anteilen, persönlichenBeteiligungen usw.

Meine Damen und Herren! Gegen diese Ueberfremdung, zuder die Steuergesetzgebung in Verbindung mit der sinkendenValuta ganz unausweichlich führt, kann sich der einzelne garnichtwehren und anstemmen. Sie sehen das Problem viel zu klein an,wenn Sie es auf den Eigennutz des einzelnen zurückführen. Unterder bitteren Notwendigkeit müssen die Dinge, wie sie heute stehen,zu dieser Ueberfremdung führen, und diese Ueberfremdung derdeutschen Wirtschaft, dieses Hinübergleiten unserer nationalenProduktionsmittel in die Hände des Auslandes bedeutet rettungs-los A r b e i t s s k l a v e r e i sür unser ganzes deutsches Bolk.(Lebhafte Zustimmung.)

Durch die in die Form eines friedlichen Geschäftsverkehrs ge-kleideten Mittel des Kapitalismus wird dasselbe erreicht, was dieVölker des Altertums aus direkterem und brutalerem Wege er-reichten, wenn der Sieger die Angehörigen des besiegten Volks-stammes einfach als Sklaven hinwegführte oder als Sklaven undHeloten unter sich brachte und aus ihrer Scholle beließ. Aus denZerstörungen, die im Ausgang des Altertums stattfanden, stammtdas WortVandalismus". Das, was wir heute unter dem Ein-druck des uns von der Entente ausgezwungenen Versailler Frie-densvertrages sehen, das ist moderner Vandalismus.Nennen Sie es Ententismus! (Abgeordneter v--. Levi:Germanismus, denken Sie an Brest-Litowsk!)

Beschimpfen Sie doch nicht fortgesetzt das eigene Vaterland.Der Friede von Brest-Litowsk war mild und großmütig im Ver-gleich zu dem von Versailles , den uns die Entente auferlegt hat.(Abgeordneter Ni-. Levi: Und Bukarest ?)

Auch der Friede von Bukarest war im Vergleich zu dem vonVersailles noch außerordentlich milde.

Meine Damen und Henen! Sie sehen: wir haben an Stelle

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