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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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tischen Erfahrungen, welche das deutsche Reich mit dem goldenen Fünf-markstück gemacht hat, haben bewiesen, daß dasselbe bereits zu klein fürden Umlauf ist. Aus diesem Umstände ergiebt sich nun die Notwendigkeit,kleinere Beträge in Münzen aus einem andern Metall darzustellen. DasSilber ist vermöge seines Wertes hierzu am geeignetsten. Der Zwischen-raum zwischen den Werten, für welche die Goldmünzen zu klein, dieSilbermünzen zu groß wären, ist ein ganz erträglicher, und andrerseitslassen sich in Silbermünzen so kleine Werte darstellen, daß sich Nickel-und Kupfermünzen bequem nach unten hin anschließen können.

Es fragt sich nun, wie die Silbermünzen in das System einerGoldwährung eingefügt werden sollen.

Weder der Goldwert noch der Silberwert ist von Natur ausunveränderlich. Wie alle andern Güter unterliegen auch Gold undSilber in ihrem Verhältnis sowohl zu andern Waren als auch zueinander unaufhörlichen Wertschwankuugen. Während im Anfang desMittelalters 1 Pfund Gold soviel wert war wie 10 Pfund Silber,gilt jetzt 1 Pfnnd Gold etwa 31 Pfund Silber.

Mit diesem schwankenden Wertverhältnis zwischen den beidenEdelmetallen muß die Gesetzgebung rechnen, welche ihre Goldwährungdurch Silbermünzen ergänzen will. Werden in diesem Falle dieSilbermünzen genau in dem Gewichtsverhültnis zu den Goldmünzenausgeprägt, welches dem augenblicklich herrschenden Wertverhültnis beiderMetalle entspricht, so hat das die größten Unzuträglichkeiten im Gefolge,wenn sich der Silberwert gegenüber dem Goldwert hebt. Dann wirdder Gehalt der Silbermünzen wertvoller als ihrem Werte in Goldgeldentspricht. Die Folge davon ist, daß es sich lohnt, die Silbermünzeneinzuschmelzen und zu verkaufen.

So waren in Frankreich und in den übrigen Staaten desFrankensystems bis zum Jahre 1865 die Silbermünzen und Gold-münzen auf Grundlage des Wertverhältnisses von 1:15,5 ausgeprägt.Der silbcrue Frank enthielt 5 Zr Silber von "/io Feinheit, das goldeneZwauzigfrankenstück enthielt 20 . 20 . - z-r Gold von " io

Feinheit. Als das betreffende Münzgesetz erlassen wurde, war dasVerhältnis von 1:15,5 wirklich in Geltung. Da stieg in den fünfzigerJahren der Silberwert, so daß man bereits für 15,2 Pfnnd Silber«in Pfnnd Gold erhalten konnte. Dadurch wurde der Gehalt desSilberfranken mehr wert als der Goldfrank. Es lohnte sich, Silber-franken einzuschmelzen und sie gegen Goldfranken zu verkaufen. Manerhielt dann wegen des gestiegenen SilberwertcS mehr Goldfranken, alsman Silberfranken eingeschmolzen hatte. Die Folge davon war, daßdie für den Verkehr unbedingt notwendigen Silbcrstücke aus dem Umlaufzu verschwinden anfingen. Um der daraus cutstehenden Kalamitätvorzubeugen, schloffen diejenigen Staaten, welche das Frankensystemhatten, im Jahre 1865 den sogenannten lateinischen Münzbund. Umihr Silbergeld gegen das Einschmelzen zu schützen, setzten sie den