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Mangel an gemünztem Silbergeld sich einstellte; damit war die Mög-lichkeit gegeben, daß einer, welcher Silber besaß und Thaler damiteintauschen wollte, erheblich mehr als ein Pfund Silber für 30 Thalerhingab uud dementsprechend umgekehrt für einen Thaler erheblich mehrals '/so Pfund Silber kaufen konnte, eine Möglichkeit, welche bei freierPrägung ausgeschlossen ist.
Indessen gab die neue Münzgesetzgebung dem Wert des Thalerseine neue obere Grenze, welche allerdings vom Silber unabhängig war.Indem der Wert des Thalers auf drei Mark in dem neuen Geldefestgesetzt wurde, indem ferner die freie Prägung für Gold eingeführtwurde, erhielt der Wert des Thalers durch den Wert des Goldes eineneue obere Grenze. Da man sich jederzeit für ein Pfnnd Gold 1392 Markverschaffen kann und der Thaler gleich drei Mark ist, kann der Wertdes Thalers sich nie über den Wert von ^/izgs Pfund Gold erheben.
Zur Zeit des deutschen Währungswechsels entsprach der Silber-gehalt des Thalers in seinem Wert genau dem Goldwert von dreiMark. Ein Pfund Gold war damals soviel wert wie 15'/2 PfundSilber. Der Wert von '/»» Pfund Silber (dem Gehalt des Thalers)entsprach also dem Wert von — ^ Pfund Gold. Der dritte
Teil davon ist ^ Pfund Gold, und wie schon erwähnt, werden ausje einem Pfund Gold 139,s Zehnmarlstücke geprägt.
Während also damals bei einem Wertverhältnis von 1 .- 15,sder Silbergehalt eines Thalers genau dem ihm beigelegten Goldwerteentsprach, ist das heute längst nicht mehr der Fall. Der Thaler hatsich auf seinem Goldwerte erhalten, während das Silber im Verhältniszum Gold enorm im Werte gesunken ist. Statt 15'/s Pfuud Silberbekommt man heute etwa 31 Pfund Silber für 1 Pfund Gold. Sokommt es, daß der geprägte Thaler, dessen Wert durch das Gold be-stimmt wird, heute doppelt so viel wert ist, als das in ihm enthalteneSilber. Daher ist das Zerstören der Geldform beim Thalcr, undebenso bei dem übrigen deutschen Silbergeld, mit erheblichen Verlustenverbunden, während es beim Goldgelb gleichgültig ist; die Gold-schmiede können also ohne Schaden für ihren Gebrauch Goldgeld ein-schmelzen, während sie sich wohl hüten, Silbergeld auf diese Weise zuverwenden.
Erste Bedingung für ein nnterwertiges Geld aber ist, daß diePrägung der betreffenden Münze eingestellt oder wenigstens beschränktist; denn nur dadurch wird ihr ein Erheben über ihren Metallwertmöglich gemacht.
Di-innere Nun kann überhaupt kein Geldsystem ohne nnterwertiges Geldde""ssld-^ auskommen, die Goldwährung am wenigsten, aber auch die Silber-M-m-, Währung nicht ganz.
Da das Gold im Verhältnis zu seinem Gewicht und Umfangein sehr wertvoller Stoff ist, ist es unmöglich, Goldmünzen zu prägenund in Verkehr zu setzen, welche kleinere Beträge darstellen. Die prak-