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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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gegenwärtig höchstens in den Vereinigten Staaten , und zwar deshalb,weil dieselben durch ihre verfehlte Münzpolitik ihren Umlauf mit Silber-geld, mit silbergedeckten Schatznoten und mit Papiergeld (sogenanntemGreenbacks) überfüllt und dadurch das vollwertige Goldgeld vertriebenhaben. Eine Zeitlang war es in Frage gestellt, ob das amerikanische Schatzamt die Einlösung seiner Schatznoten in Gold würde aufrechterhalten können. Zur Stärkung ihres Goldbestandes haben die Ameri-kaner letzthin eine große Anleihe aufgenommen, so daß sich der Goldbestanddes amerikanischen Staatsschatzes jetzt wieder auf 107 Mill. K beläuft.

Silberwähruug haben noch Hinterindien, China, Japan, Mexiko und einige zentral- und südamerikanischen Staaten. Ostindien hatseit Mitte 1893 keine eigentliche Silberwährung mehr, da der Wertder Rupie durch die Einstellung der Silberprägung vom Silber un-abhängig gemacht worden ist.

Ein großer Teil von Staaten ist durch finanzielle Mißwirtschaftzur Papierwährung geraten, so Rußland, Italien, Spanien, Portugal und eine Reihe südamerikanischer Staaten, hauptsächlich Argentinien.Österreich-Ungarn, welches heute noch Papierwährung hat, ist ge-setzlich bereits zur Goldwährung übergegangen, und es steht zu erwarten,daß in nicht allzulcmgcr Zeit die Wiederaufnahme der Barzahlungen inder neuen Goldwährung erfolgen kann. Der heutige (27. VI. 95)Kurs des österreichischen Guldens ist 168.85 Mk., während die Paritätder neuen gesetzlichen österr. Goldwährung etwa 170. Mk. für 100 fl.ist. Es fehlt also der österr. Valuta zu ihrer Vollwertigkeit und damitzur thntsächlicheu Goldwährung nicht mehr ganz 1 Prozent.

Das ist der gegenwärtige Stand der Währnngsverhältnisse. Wirhaben nnn zu prüfen, welche Unzuträglichkeiten sich allenfalls aus dieserSachlage ergeben, welches die Vorwürfe sind, die besonders gegen dieGoldwährung erhoben werden, und wie weit diesen Vorwürfen eineBerechtigung zukommt.

2. Kritik der währnngspolitischcn Situation.

Die Wührungsfrage kann von zwei Gesichtspunkten aus be-trachtet werden. Eiumal handelt es sich um eine zweckentsprechendeOrganisation des Geldwesens an und für sich, also um eine mehrwühruugstechnische Frage; dann um den Einfluß der Währungsver-hältnisfc aus die gesamte Volkswirtschaft.

g.) Die technische Seite der Währnngsfrage.

Zwei Hanptbedenken sind es, welche in technischer Beziehunggegen unsere bestehende Münzverfasfnng erhoben werden. Beide be-ruhen auf dem Umstände, daß durch die Entwertung des Silbersunsere Silbermünzen stark unterwertig geworden sind.

Das erste Bedenken ist die G e'fah r der Nachprägung, Dieecht-von welcher unsere Silbermünzen bedroht sein sollen. Da man das 'g?mg?°in eiuem Thaler enthaltene Silber für 1,50 Mk. kaufen kann, läßt