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notwendig (Handels-, Post-, Eisenbahn-, Rechtsvcrträge)." Auch das ist einfalsches Argument. Wenn heute zwei Staaten einen Postvertrag schließenund nach einem Jahre sehen sie sich genötigt, denselben wieder zu lösen,dann ist ihre Stellung wieder genau dieselbe, wie sie es vor Abschluß desVertrages war. Wenn aber heute Deutschland einen Doppelwährungs-vertrag schließt und infolgedessen große Massen Silbergcld ausprägt, unddieser Vertrag geht nach einiger Zeit in die Brüche, dann ist seine Lageeine bedeutend schlechtere, als vor Abschluß des Vertrages. An Stelleseiner soliden Goldwährung ist dann eine wackelige silbergefüllte Gold-valuta getreten, welche von der ersten Politischen oder wirtschaftlichenKrisis über den Haufen geworfen wird. Darin liegt der Unterschied!
Nun wenden die Bimetallisten ein: „Die Segnungen der Doppel-währung werden so groß sein, daß kein Staat daran denken wird, denWährnngsvertrag zu lösen." Das heißt voraussetzen, daß die Doppel-währung absolut durchführbar, zweitens wirklich von den segens-reichsten Wirkungen für alle beteiligte Staaten begleitet wäre, zwei Voraus-setzungen, die stark bestritten werden und ihres Beweises noch harren.Wir werden vielmehr sehen, daß, während einerseits die Durchführbarkeitder Doppelwähruug eine keineswegs sichere, die „Wiederherstellung desSilberwertes" auf das Verhältnis von 1 : 15'/s zum Gold augen-scheinlich unmöglich ist, andrerseits — das Gelingen dieser Utopie voraus-gesetzt — die Wirkungen des Bimetallismns teilweise den Erwartungennicht entsprechen, teilweise für das wirtschaftliche Gedeihen der beteiligtenStaaten die verhängnisvollsten Folgen nach sich ziehen würde.
d) Die Wirkungen des Bimetallismus.
Die wichtigsten Zwecke, welche die Bimetallisten durch die Doppcl-währung erreichen wollen, sind die Beseitigung der Balu t a schwan-! ungen und der angeblichen Goldvericnerung.Ke n- Bese, Nehmen wir zunächst die Valutaschwaukuugeu vor. Wir haben zwar^"ktt-^ gesehen, daß die Valutaschwnukungen in ihrer Gesamtwirkung für Europa Ichwanwng-n, >mchi.> günstig als ungünstig sind, daß also für uns kein Grund vorliegt,zu ihrer Beseitigung erhebliche Anstrengungen zn machen. Nichtsdesto-weniger wollen wir prüfen, was der Bimetaltismus hier erreichen könnte.
Znnächst ist ganz klar, daß durch den Bimetallismus und die Fest-legung des Silberpreises nur eine feste Parität zwischen metallischenValuten, zwischen Gold- und Silbcrmührungen, geschaffen werdenkönnte. Gegenüber den Papierlvährungsländern würden die Valnta-schwankungen bleiben. Da fragt es sich aber doch, ob unsre Be-ziehungen zu den Silberländern wichtig genug sind, nm einen völligenUmsturz unsrer Wührungsverhültnisse zu rechtfertigen. Wir schlagen inunsrer Handelsstatistik nach nnd finden, daß unser Export nach denSilberländern nicht einmal 4°o unsres Gesamtexportesbetrügt, unser Import von diesen Ländern nur etwa 0"/» des Ge-s amtiinporte s. Außerdem ist sowohl dieser Export als dieser Im-port in erfreulichem Wachstum begriffen, nnd die berufenen Ver-