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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
Entstehung
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frage 1882,) Beim Golde speziell dürste nach fachmännischen Schätzungender zur industriellen Verarbeitung gelangende Teil der jährlichen Pro-duktion nicht unbeträchtlich größer sein, als der zu Münzzwecken ver-wendete. Bei freiem Prägerecht für Gold und Silber ist zwar jeder-mann berechtigt, aber niemand verpflichtet, Gold ausprägenzu lassen. Gold ist ein sehr branchbares Metall, man kann aus Gold auchGewichte machen, so gut wie aus Eisen oder Messing, Aber das thutman nicht, denn Gewichte aus Messing kommen billiger uud erfüllenihren Zweck vollständig. Genau ebenso würde der Fall eintreten, daßes billiger wäre, sein Geld aus Silber ausprägen zu lassen als ausGold; niemand würde dann Gold zur Münze bringen, man würdevielmehr das geprägte Gold mit Gewinn aus dem Münzumlaus zurück-ziehen und einschmelzen, da es in dem gesetzlichen Wertverhältnisse zugering gewcrtet wäre. Das Silber würde fast ausschließlich den Münz-umlauf erfüllen und allein den Wert des Geldes bestimmen, das Goldwürde aus dem Umlauf verschwinden oder sich mir in geringem Maßeund mit einem Aufgeld gegenüber dem Silbergeld darin erhalten. DerWidersinn der ganzen bimetallistischen Theorie tritt klar zu Tage,wenn man aus ihr die logischen Konsequenzen zieht, welche der Messiasdes Bimetallismus, Cernuschi, in der That gezogen hat: die Gesetz-gebung könne das Wertverhältnis der beiden Edelmetalle ganz be-liebig fixieren, auf 1 : I. ebensogut wie auf 1 : 100.

Die Fähigkeit des Staates, Silber und Gold in ein festes Wert-Verhältnis zu bringen, ist deshalb selbst von Bimetallisten nicht unbe-dingt anerkannt. So sagt Pierson:Wer die Doppelwährung nurdann gut heißt, wenn man absolute Sicherheit dafür hat, daß sichdas Wertverhältnis zwischen Gold und Silber niemals verändere, derbleibe lieber Monometallist. Mehr als bloße Wahrscheinlichkeit kannkein vernünftiger Mensch in Aussicht stellen." Und selbst diese Wahr-scheinlichkeit stellt Pierson nur in Aussicht,wenn von einer großenAnzahl Staaten die Doppelwährung angenommen, wenn dieses Ver-hältnis überdies nach richtiger Berechnung festgestellt, wenn ferner keinMittel unversucht gelassen wird, das der guten Wirkung des Systemsförderlich sein kann". Daß dieWiederherstellung des Silberwertes",d. h. eine Steigerung des Silbcrpreises um 100 Prozent, der An-forderung einerrichtigen Berechnung" nicht entspricht, liegt auf der Hand.Zugegeben, daß sich durch Erhitzung der Spekulation dieseWiederher-stellung" für einen Moment erreichen ließe, dann wäre eine unabsehbareSteigerung der Silberproduktion die notwendige Folge des enorm er-höhten Silberpreises; gerade diese Steigerung der Siiberproduktion müßtein nicht allzu langer Zeit das gesetzliche Wertverhältnis wieder sprengen.

Erschwerend kommt hinzu, daß ohne einen internationalenWäh-rungsvertrag" die Doppelwährung, wie die Bimetallisten selbst zu-geben, nnzweifelyaft undurchführbar ist. Ein solcher internationaler Ber-trag hätte aber die größten Bedenken. Die Bimetallisten sagen allerdings:Internationale Verträge sind heute auf allen Gebieten des Staatswesens