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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
Entstehung
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I. Allgemeiner Teil.

1. Die Währungssysteme.

Wenn ich ein Zwcmzigmarkstück einschmelze oder es mit einemHammer breitschlage, so daß es nur noch ein Stückchen Gold ohnePrägung ist, so giebt mir für dieses Stückchen Gold nichtsdestowe-niger jeder Goldschmied 20 Mark, höchstens macht er einen ganz ge-ringen, nach Pfennigen zu berechnenden Abzug. Nehme ich dasselbemit einer unsrer Silbermünzen vor, so erhalte ich dagegen bedeutendweniger als den ursprünglichen Nennwert des betreffenden Münzstückes,bei dem gegenwärtigen Stand des Silberpreises (etwa 90 Mark fürdas Kilo Feinsilber) für den Thaler beispielsweise nur 1 Mk. 50 Pf.,für das Einmarkstück nur 45 Pf. Wenn man einen kleinen Gold-arbeiter oder Uhrmacher, der Gold nur in kleinen Quantitäten, viel-leicht nur gelegentlich zn geringfügigen Reparaturen braucht, darüberbefragt, woher er sein Gold beziehe, dann wird er gewöhnlich dieAuskunft geben, daß er in der Hauptsache Zwanzigmarkstücke ver-wende; dagegen wird er sich hüten, für seinen Silberverbrauch deutscheSilbermünzen einzuschmelzen. Das hat seinen guten Grund: miteinem Zwanzigmarkstück kann der Goldschmied nicht mehr Gold kaufen, V°nw-r«g!c>kals in dem Zwanzigmarkstück enthalten ist, das geprägte Zwanzigmark- un,srw-r>tg-stück. überhaupt das geprägte deutsche Goldgeld ist nicht mehr wertals das in ihm enthaltene Quantum Feingold; es ist vollwertig,d. h. sein Geldwert ist durch seinen Stoffwert voll uud ganz gedeckt.Dagegen kann man für den Thaler heute doppelt so viel Silber kaufen,als das Thalerstück selbst enthält; das in dem Thalerstück enthalteneFeinsilber ist nur halb so viel wert wie der geprägte Thaler, undähnlich steht es mit unserm andern deutschen Silbergeld: es ist unter-wert ig, d. h. sein Stoffwert ist geringer als sein Geldwert.

Wie erklärt sich dieser Unterschied?

In den Münzgesetzen von 1871 und 1873, auf welchen unseregegenwärtige Münzverfassung und unser Wührungssystem bernht, istder Grundsatz ausgesprochen, daß es jedermann freistehen solle, Gold