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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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die Wechselkurse über Pari und neigen zur Goldausfuhr, so nenntman sie ungünstig, und den oberen Goldpunkt, welcher die Ausfuhrvon Bargeld ermöglicht, nennt man denGoldpunkt gegen".

Ebenso wie der ausländische Wechselverkehr überhaupt, gehen auchdie jeweils notwendigen Barsendungen durch große Banken. Dieses Ge-schäft fällt unter den Begriff der Arbitrage. Diese Banken sind durchgenaue Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse imstande, die Barsendungenzu den geringst denkbaren Kosten vorzunehmen. Außerdem haben sie an dieStelle der Edelmetallarbitrage in großem Umfang die Effektenarbitrage ge-setzt, indem sie einen Überschuß der Forderungen auf einer Seite nichtdurch Sendung oder Bezug von Edelmetall sondern von sichern Staats-papieren ausgleichen, wodurch der Zinsverlust während des Transportsund ein Teil der Transportkosten gespart wird. So sind die Schwan-kungen im Wechselkurs zwischen Ländern der gleichen Währung auf dasdenkbar geringste Maß eingeschränkt.

Dadurch ist der auswärtige Handel zwischen diesen Ländern aufeine feste und sichere Grundlage gestellt. Jedes Spekulationsmomentscheidet aus. Bis auf ganz verschwindende Bruchteile kann der Deutsche,welcher an das Ausland verkauft oder vom Ausland kauft, sein Ge-schäft kalkulieren, ebensogut wie ein Geschäft, das sich im Inland voll-zieht; denn er weiß, daß das Geld der andern Goldwährungslünderin seinem eigenen Geldc einen festen und unveränderlichen Wert hat.

Anders steht es mit den Wechselkursen zwischen Goldwährungs-nnd Silberwährungsländern. Da zwischen diesen beiden Währungenkeine feste Parität stattfindet, sind auch die Wechselkurse beständigenSchwankungen ausgesetzt, welche durch die Ändernngen im Wertver-hültnis der beiden Edelmetalle bestimmt werden. Da niemand dieseÄnderungen voraussehen kann, so ist der Handel zwischen Gold- undSilberwährungslündern mit der Notwendigkeit einer Spekulation, einerValutaspekulation, verbunden. Noch schlimmer steht es bezüglichder Länder mit Papierwährung.

3. Die Doppelwährung.

Nach diesen Erörterungen über den Znsammenhang der Währungs-systeme mit dem Edelmetall und die gegenseitigen Beziehungen derverschiedenen Wahrungen oder Valuten zu einander bleibt noch einWührungssystem zu erwähnen, welches gegenwärtig zwar nirgendsexistiert als in der Theorie, aber in Frankreich in den ersten siebenJahrzehnten dieses Jahrhunderts bestanden hat, und dessen Wiederher-stellung und Ausbreitnng über die ganze Welt das Ziel der Bi me-to l listen aller Länder ist.

Wir haben bisher Gold und Silber als zwei von einanderdurchaus unabhängige Wertgegenstünde betrachtet, deren jeder in seinemWerte einen eigenen Weg geht, welche also nicht in einem festen Wert-verhältnis zu einander stehen. Darin werden wir gerechtfertigt durch