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den Gang der Geschichte, innerhalb welcher bedeutende Wertschwankungenzwischen beiden Metallen stattgefunden haben, im Altertum Schwankungenvon 1 : 10 bis 1 : 14, seit dem Mittelalter bis zur neuesten ZeitSchwankungen von 1 : 10 bis 1 : 35. Die erste Hälfte der siebenzigerJahre bildet einen bemerkenswerten Abschnitt, denn während bis dorthindas Silber sich nicht tiefer als bis zum 16. Teil eines Pfundes Goldentwertet hatte, änderte sich von damals ab der Wert so sehr zn dessenUngunsten, daß Silber zeitweise mir den 35. Teil eines PfnndesGold wert war.
Solange Gold und Silber in ihrem Wertverhültnis zn einanderschwanken, ist es klar, daß man den Wert des Geldes nur von einemdieser Metalle abhängig machen kann, nicht von beiden. Denn sonstmüßte, sobald der Wert von Gold und Silber sich gegen das ange^nommene Verhältnis ändert, das ganze Geldwesen völlig auseinandergerissen werden.
Die feste Verbindung mit dem Metall kann, wie wir gesehenhaben, nur durch die freie Prägung bewirkt werden. Die Doppel-währung gewährt für beide Metalle freies Prägerecht und bestimmt, daßGold- oder Silbergeld je nach der Wahl des Schuldners in Zahlunggenommen werden müssen. Zur Erläuterung diene das Münzgesetz,auf welchem die französische Doppelwährung beruhte.
Silber war frei ausprägbar. Aus dem Kilogramm Mllnzsilberwurden 200 Franken geprägt. Der Wert eines Silberfranken entprach
also genau dem Wert von ^ Münzsilber (von "/-o Feinheit).
Gold war frei ausprägbar. Man nahm an, 15.5 Silberseien soviel wert wie 1 KZ Gold, und infolgedessen wurden aus demKss Münzgold 15,5 x 200 -^3100 Franken geprägt. Der Wert einesGoldfranken war also gleich ^ Münzgold.
Wer Franken schuldete, konnte nach seiner Wahl in Silberoder in Gold zahlen.
Welches sind nun die Wirkungen eines solchen Währungssystems,wenn sich das Wertverhältnis zwischen Silber und Gold ändert?
Der englische Philosoph Locke hat dafür, schon lange ehe dasfranzösische Toppelwährungsgesetz in Kraft trat, eine sehr treffendeAnalogie gefunden. Er hat gesagt: Stellt den Krämern zwei Gewichtezur Verfügung, welcher sie sich ganz nach Belieben bedienen können,eines aus Eisen und eines aus Torf. Bei trockenem Wetter we.rdensie sich des Torfgewichts bedienen, bei nassem des eisernen.
Genau ebenso verhält es sich mit dem Gelde. Sobald derWert des Silbers gegen das angenommene Verhältnis sinkt, sinkt auchder Wert der Silbermünzen gegenüber den Goldmünzen; da jederSchuldner die Wahl hat, ob er in Silber oder in Gold zahlen will,wählt er natürlich die leichtere Art sich von seiner Verbindlichkeit znbefreien, und zahlt mit Silber. Dadurch wird das teurere Metall all-