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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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mählich aus dem Umlauf verdrängt, oder es erhält sich in demselbenmit einem Agio, d. h. es läuft zu einem höheren Wert um, als feinNennwert besagt. Auf diese Weise ist der Wert des Geldes in einerDoppelwährung stets von dem billigen Metall abhängig, solange dasWertverhältnis der Edelmetalle zu einander kein unabänderlich festesist, und das war es bisher zn keiner Zeit.

Nun behaupten die Doppelwährungsfreunde allerdings, daß ge-rade durch die Doppelwährung das Wertverhältnis zwischen den beidenEdelmetallen festgenagelt werde. Wir werden auf diese Frage imII. Abschnitt des näheren zurückkommen. Hier handelte es sich nur darum,das Wesen der Währungssysteme und ihrer Beziehungen zu einander zuzeigen, wobei auch die Doppelwährung nicht übergangen werden durften.

4. Währung und Volkswirtschaft.

Nichts ist inniger mit dem ganzen wirtschaftlichen Leben der zivi-lisierten Völker verschlungen als das Geld. Während auf frühester Kultur-stufe der Tausch die gewöhnliche Form des Verkehrs war, giebt es heutekaum eine Verkehrsbewegung, welche nicht dnrch das Geld vermittelt wird;und zwar werden nicht nur augenblickliche Käufe und Verkäufe mittelstdes Geldes abgeschlossen, auch alle langfristigen Tarlehen, wie Hypo-theken, werden in Geld gewährt, ihre Zinsen sind in Geld zu zahlen,und schließlich sind sie in Geld zurückzuzahlen; ebenso werden alleRenten, Gehälter, Löhne und Pensionen in Geld festgesetzt.

Nim haben wir gesehen, daß im normalen Falle der Wert desGeldes mit dem Werte eines Edelmetalles verbunden ist, bei der Gold-währung mit dem Wert des Goldes, bei der Silberwührung mit demWerte des Silbers. Wenn also im Werte des WührungsmetallesSchwankungen eintreten, dann wird der Wert des Geldes diese Schwan-kungen mitmachen.

Hier gilt es einen stark eingewurzelten Irrtum zu beseitigen.Giebt es überhaupt Veränderungen des Geldwertes? Die meistenMenschen, welche sich nicht mit der Volkswirtschaftslehre beschäftigthaben, halten den Wert des Geldes sür etwas durchaus unveränder-liches. Da an die Stelle des Tausches der Kauf und Verkauf getretenist, da wir mir in den seltensten Fallen eine Ware gegen eine andereWare hingeben, sondern in der Regel Geld gegen Ware oder Waregegen Geld, sind wir gewöhnt, den Wert einer jeden Ware in Geldabzuschätzen. Das Geld erscheint uns als der Maßstab, welcher denWert aller andern Güter mißt, und deshalb erscheint es selbst imWert unveränderlich. Dem ist aber nicht so. Das Geld folgt beider Goldwährung geuau den Wcrtveränderuugen des Goldes, bei derSilberwährung denen des Silbers. Gold und Silber sind aber Warenwie jede andere Ware auch, nnd ihr Wert wird beherrscht von denselbenGesetzen, wie der Wert aller andern Waren. Daß der Silberwertkein fester ist, das ist bei uns ohne weiteres einem jeden klar; denn

Helsferich, Die Währungsfrage. 2

«Äcidwertverlwdermigen.