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1> Waren-preise
während vor 25 Jahren das Pfund Silber 90 Mk, kostete, lostet esheute nur 45 Mk., und während man vor 25 Jahren für ein PfundGold etwa 15'/2 Pfund Silber erhielt, erhält man heute dafüretwa 31 Pfund. Aber so wenig wie der Silberwert ist der Gold-wert unveränderlich. Hier ist es für uns irreführend, daß das Goldin unserem Geld einen festen Preis hat, das Kilo kostet stets mit ge-ringen Abweichungen 279V Mk. Aber der Wert unsres Geldes isteben von dem Wert des Goldes bestimmt; deshalb kann man denWert des Goldes mit unserem Geld nicht messen, denn das hieße Goldmit sich selbst messen.
Nun wird man fragen, womit man eigentlich überhaupt denWert und die Wertveränderungen des Geldes messen kann. Darauf mußman die Antwort schuldig bleiben. Den Wert eines Gutes kann manimmer durch den Wert eines andern Gutes ausdrücken. Da es aberkein Gut giebt, welches einen festen, unveränderlichen Wert hat, so fehltuns jeder sichere Maßstab.Ge^dwertr^- glaubt vielfach, durch die Vergleichung der Preise einer
änd-rungen, großen Anzahl der wichtigeren Warengattungen zu verschiedenen ZeitenSchlußfolgernungen über die Bewegung des Geldwertes erlangen zukönnen. Wenn das „allgemeine Preisniveau" eine sinkende Tendenzhat, so glaubt man daraus auf eine Steigerung des Geldwertes schließenzu können; denn steigender Geldwert bedeutet Nerbilligung der Waren,und umgekehrt.
Es dürfen jedoch bei einer solchen Vergleichung zwei Punkte nichtaußer acht gelassen werden.
Der erste ist: Wenn eine Ware ihren Preis verändert, wenn siez. B. in ihrem Preise sinkt, dann bleibt die Frage immer eine offene:Liegen die Ursachen der Preisverändernng ans Seite des Geldes oder aufSeite der Ware? Nun sind Veränderungen des Geldwerts deshalb be-sonders schwer zu ermitteln, weil der Wert der edeln Metalle, und daherauch des Geldes, ein Seltenheitswert ist. Die edeln Metalle, zum min-desten das Gold, sind nicht beliebig vermehrbar, ihr Wert hängt des- >halb in erster Linie von Angebot und Nachfrage ab. Dagegen könnendie meisten andern Waren beliebig produziert werden, wie z. B.Baumwolle, Getreide, Eisen :c.; der Wert dieser Waren hängt dahervon ihren Produktionskosten ab, denn die Konkurrenz sorgt dafür, daßsie nicht erheblich über ihren Produktionskosten abgesetzt werden, wäh-rend sie auf die Dauer nicht bilkiger verkauft werden können, als ihrenProduktionskosten entspricht. Wenn wir also aus den Veränderungender Warenpreise Schlüsse auf die Bewegungen des Geldwertes ziehenwollen, dann haben wir vorher stets zu untersuchen, ob nicht auf Seiteder Ware etwas vorliegt, z B. eine Veränderung in den Produktions-bedingungen, welche ihrerseits eine Veränderung des Warenwertes nachder einen oder andern Richtung mit Sicherheit herbeigeführt haben muß.Wenn z. B. heute ein Eisenarbeiter durch Verbesserungen in der Technikim stände ist, fünfmal so viel Roheisen zu produzieren als vor 30
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