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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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Jahren, dann werden wir uns natürlich hüten, aus einem Sinken der'Eisenpreise zu folgern, daß der Wert des Geldes gestiegen sei.

Der zweite Punkt, welcher bei Versuchen zur Ermittelung der 'Geldwertveränderungen nicht übergangen werden darf, ist folgender:es dürfen nicht die Warenpreise allein zu Rate gezogen werden; denneine Änderung des Geldwertes müßte auch die Arbeitslöhne beein-flussen. Die Arbeitskraft ist in unserer Wirtschaftsverfassung aucheineWare ", uud zwar die wichtigste. Ferner wohnt gerade denArbeitslöhnen eine gewisse Tendenz zur Wertbeständigkeit inne, undzwar entschieden eine stärkere, als allen andern Waren. Die Arbeits-löhne sind nämlich der bedeutendste Faktor in den Produktionskostender meisten Güter; steigen die Arbeitslöhne, dann steigen auch die Pro-duktionskosten, und deshalb muß sich jede Veränderung des Arbeits-lohnes ohnedies in den Preisen der meisten Waren ausdrücken. Dieweiteren Umstünde aber, welche überdies noch Preisveränderungen derWaren herbeiführen können, wie technische Verbesserungen in der Produktionu. s. w., treffen nnr die Güterpreise, während der Arbeitslohn vondiesen Verhältnissen unbeeinflußt bleibt. Deshalb kommt den Arbeits-löhnen für die Ermittelung der Geldwertschwankungen eine größereBedeutung und Beweiskraft zu als den Warenpreisen.

Ein weiteres Erkenntnismittel für die Wertveränderungen des 6' D-sto»«-Geldes sind die Bewegungen des Diskantes. Da eine Wertsteigerungdes Geldes nur durch eine ungenügende Versorgung der Geldnachfragehervorgerufeu werden kann, also durch Geldknappheit, so muß sie sichzuerst bei den großen Banken fühlbar machen, aus welchen das Geld-bedürfnis der ganzen Volkswirtschaft schöpft. Diese genügen dem Geld-bedürfnis zum größten Teil durch Diskontierung von Wechseln, undzwar durch Diskontierung in ihren Banknoten. Steigt nun in einem ,Goldwährungslande das Bedürfnis nach Zahlungsmitteln mehr als dieVersorgung mit Gold, dann erhält die Bank zahlreiche Wechsel zurDikontierung, giebt also zahlreiche Noten aus, ohne daß ihr anderer-seits eine entsprechende Menge Metallgeld zufließt. Sie muß nundarauf Bedacht nehmen, ein gesundes Verhältnis zwischen Notenum-lauf und Barreserve aufrecht zu erhalten, entweder durch Beschränkungihrer Kreditgewährung oder durch Stärkung ihres Metallvorrats.

Diese beiden Zwecke werden am besten erreicht durch die Erhöhungdes Diskontsatzes. Dadurch, daß die Bank den Zinsfuß, zu welchemsie Wechsel diskontiert, hinaufsetzt, hält sie eine Anzahl von Wechselnüberhaupt von sich fern; sie schränkt also ihre Kreditgewährung einund beugt einem weiteren Anwachsen des Notenumlaufs vor. Zugleicherreicht sie eine Stärkung ihrer Barreserve. Der hohe Diskontsatz,welcher auch auf den Marktzinsfuß einen gewissen Einfluß ausübt, ziehtdas Geldkapital des Alislandes, welches einen niedrigeren Diskontsatzhat, an, indem es ihm Gelegenheit zu - lohnenderer Anlage gewährt.Das hereinströmende Bargeld fließt der Hauptbank als Stärkung desMetallschatzes zu.