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Liegt jedoch eine allgemeine Steigerung des Geldwertes vor, welchesich in einem überall hervortretenden Geldmangel äußern müßte, dannmüßten sich auch die gleichen Wirkungen in allen Ländern zeigen. Wirwürden in allen Goldwährungsländern steigende Diskontsätze beobachten.Da nun der Diskont nur dann Gold aus dem Auslande herbei-ziehen kann, wenn er höher ist, als die Diskontsätze der übrigen Länder,so würden sich im Falle einer allgemeinen Goldknappheit die Haupt-banken der Welt in ihren Diskontsätzen zu überbieten suchen, es würdeder Zustand eintreten, welchen man „Diskontkrieg" genannt, und fürwelchen Bismarck das bezeichnende Wort vom „Zerren an der zu- kurzen Decke" gefunden hat.
Die entgegengesetzten Wirkungen müßten sich natürlich bei einerWertverringerung des Geldes zeigen, nämlich Geldslüssigkeit und niedrigerDiskont.
lZÄd?v?rtver- Nachdem wir uns darüber klar geworden sind, wie wir zu einemimd-rungm, Urteil über die Wertbewegungen des Geldes kommen können, habenwir ins Auge zu fassen, welchen Einfluß die Geldwertveränderungenauf das Wirtschaftsleben ausüben.
Hiebei sind drei Fälle zu unterscheiden: daß der Geldwert gleichbleibt, daß er steigt, daß er fällt.
Der erste Fall, das Gleichbleiben des Geldwertes, ist augenscheinlichder erstrebenswerte. Da das Geld als Wertmesser fungiert, so hat diegesamte Volkswirtschaft ein Jnteresfe daran, daß dieser Wertmaßstabmöglichst unveränderlich sei. Das Geld ist aber nicht nur Wertmessersondern selbst Wertgegenstand. In Geld werden alle langfristigen Ver-pflichtungen bedungen, Renten, Hypotheken :c., und dabei ist es dieMeinung und der Wille beider Teile, daß dieselbe Summe in Geldzur Zeit der Rückzahlung denselben Wert habe, wie zur Zeit desAusleihens. Der Gerechtigkeit entpricht also das Gleichbleiben desGeldes am meisten, aber nicht nur der Gerechtigkeit, sondern auch demwirtschaftlichen Wohlergehen der Gesamtheit, wie sich das zeigen wird,sobald wir die Folgen der Geldwertveränderungen betrachten.^Geldeitt °° Wenden wir uns nun zu den Folgen der Geldentwertung,werwng. Durch eine Geldentwertung werden zunächst alle Schulden, alle
festen Renten, Gehälter und Pensionen in ihrem Werte verringert.Dadurch werden alle Gläubiger und alle, welche feste Renten, Ge-hälter oder Pensionen beziehen, geschädigt — zu Gunsten ihrerSchuldner. Nun ist es bimetallistische Methode, die Gläubiger ohneweiteres als die „wirtschaftlich stärkere" Klasse anzusehen, welche eineSchädigung eher ertragen kann, als die Schuldner. Damit hat esaber seine besondere Bewandtnis. Gläubiger ist nicht nur der großeGeldmann, sondern auch der kleine, oft unfreiwillige Rentner, auch derArbeiter, welcher seine Ersparnisse in der Sparkasse angelegt hat;Gläubiger in diesem Sinne ist auch der kleine Beamte, welcher ein festesGehalt bezieht, und die kleine Beamtenwittwe mit ihrer mageren Pension.Andrerseits ist Schuldner nicht nur der Bauer, welchen Hypotheken