Druckschrift 
Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

- 21

drücken, sondern auch der steinreiche Großgrundbesitzer, ebenso der großeUnternehmer, welcher teilweise mit fremdem Kapital arbeitet, die Aktien-gesellschaften mit Prioritätsanleihen u. s. w. In den seltensten Fällenist die große Masse der Bevölkerung Schuldner. Die Arbeiterklasseist nicht verschuldet, denn ihr giebt niemand Kredit; dagegen sind geradedie besten Teile der Arbeiterklasse imstande, kleine Ersparnisse zurückzu-legen. Die große Masse der Bevölkerung, darunter gerade diewirt-schaftlich Schwächeren", dürften also mit weit mehr Recht zu denGläubigern als zu den Schuldnern zu rechnen sein. Ein Grund füreine Bevorzugung der Schuldner ist demnach nicht vorhanden.

Eine weitere allgemein anerkannte Folge der Geldentwertung isteine Steigerung der Warenpreise und des Unternehmergewinns.Jederverdient," sagt Arendt, aber eigentlich dürfte er nur sagen: jederUnternehmer verdient,denn während er den Rohstoff verarbeitet,wächst dessen Wert, so daß die fertige Ware mehr gilt, als sie kalkuliertwar." Dieser Gewinn wäre jedoch nur ein scheinbarer, denn währendder Produzent für seine Waren einen höheren Preis erzielt, muß erauch alle andern Waren, deren er benötigt, teurer kaufen. Aber eskommt noch etwas anderes in Betracht. Der Arbeitslohn hat einegewisse Ähnlichkeit mit einem festen Gehalt. Er bequemt sich nichtsofort dem gesunkenen Geldwert und den gestiegenen Warenpreisen an,sondern folgt denselben erst allmählich; das geben auch die Bimetallistenzu. Daraus folgt nun, daß die Unternehmer ihre Waren bei ein-tretender Geldentwertung höher verkaufen können, als es ihnen sonstmöglich wäre, wahrend sie ihre Arbeiter nicht sofort entsprechend höherentlohnen. Bis sich auch hinsichtlich des Arbeitslohnes ein Ausgleichvollzogen hat, ist daher der Unternehmer imstande, auf Kosten desArbeitslohns zu profitieren.

Da der Arbeiter zunächst den gleichen Geldlohn bezieht, wiezuvor, während die Waren, auf welche er zu seinem Lebensunterhaltangewiesen ist, im Preise steigen, wird die Lebenshaltung des Arbeitersdurch die Geldentwertung herabgedrückt, und es bedarf erst lebhafterAnstrengung der Arbeiter, eventuell Strikes, um die Löhne ent-sprechend dem gesunkenen Geldwerte zu erhöhen. Gerade vom sozialemGesichtspunkte aus, welchen die Bimetallisten immer hervorkehren, istalso eine Geldentwertung durchaus zu verwerfen.

Damit sind indessen die Folgen der Geldentwertung noch nichterschöpft. Geldentwertung ist stets die Folge von Geldttberfluß, voneiner Überfüllung des Marktes mit barem Gelde. Nun nimmt aberniemand Geld, um es zu behalten; denn Geld im Kasten trägt keineZinsen. Man will sein Geldanlegen". Infolge dessen entsteht einestarke Nachfrage nach zinstragenden Papieren; die Preise der sicherenAnlagepapiere gehen in die Höhe, so daß ihr Ankauf nur eine ver-hältnismäßig niedrige Verzinsung gewährt. Dadurch wird das Publi-kum sowohl zur Aufnahme von zweifelhaften exotischen Werten, alsauch von Jndustriepapieren günstig gestimmt. Die Nachfrage nach