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Jndustriepapieren regt zu Gründungen an, zu Gründungen, welche nichtdeshalb vorgenommen werden, um eine irgendwo bestehende Nachfragenach ihren industriellen Erzeugnissen zu befriedigen, sondern zu Grün-dungen, welche mir ins Leben gesetzt werden, weil Jndustriepapiereauf dem Effektenmarkt gefragt sind. Dadurch wird ein schwindelhafterAufschwung hervorgerufen, welcher den Keim des Zusammenbruchesvon vornherein in sich trägt. Indem die neugegründeten Unter-nehmungen Waren produzieren, ohne daß eine vermehrte Nachfragenach solchen besteht, führen sie zur Überproduktion, und schließlich brichtdas ganze Kartenhaus der lediglich für die Spekulation geschaffenenWerte jäh zusammen, nicht ohne die gesamte Volkswirtschaft schwer zuschädigen. Wie tiefe Wunden durch eine solche Krisis geschlagen werden,wie lange das ganze wirtschaftliche Leben an den Nachwirkungen zuleiden hat, dafür ist die Krisis von 1873 ein trauriges Beispiel.
Fassen wir die Wirkungen der Geldentwertung zusammen. Sie sind:
1. Entlastung aller Schuldner, Schädigung aller Gläubiger undEmpfänger eines festen Einkommens.
2. Ein vorübergehendes Steigen des Unternehmergelvinns aufKosten des Arbeitslohns. Soziale Kämpfe um Erhöhung des Ar-beitslohns.
3. Ein schwindelhafter Aufschwung, beruhend auf spekulativenGründungen, endigend in einem Krach, welcher das ganze Wirtschafts-leben in Mitleidenschaft zieht.
Ndw-rt? Die Folgen einer Wertsteigerung des Geldes sind um nichtsneigerung. günstiger, als die eben geschilderten Wirkungen der Geldentwertung.
Alle Schulden erfahren eine Werterhöhung, sie werden drücken-der. Alle diejenigen, welche vor der Steigerung des Geldwertes aufihren Grundbesitz oder ihre industrielle Unternehmung soviel Schuldenaufgenommen hatten, daß sie dieselben gerade noch aus dem Ertragverzinsen konnten, sind ruiniert, sobald dieser Ertrag durch eine Geldwert-steigerung, in Geld ausgedrückt, sinkt.
Ferner wird die gesamte Produktion schwer geschädigt, und zwarin umgekehrter Weise, wie bei der Geldentwertung. Alle Warenpreisewerden herabgedrückt, und zwar tiefer, als einer allenfallsigen Ver-minderung der Produktionskosten entspräche. Dagegen ist der Unter-nehmer, dessen Bruttoeinnahmen zurückgehen, nicht imstande, sofort dieArbeitslöhne herabzusetzen. Der Arbeiter wird also hier eine Zeitlangauf Kosten des Unternehmers bevorzugt. Er erhält nach wie vor dengleichen Geldlohn, kann sich aber für diesen mehr Waren kaufen alszuvor. Dieser Zustand ist jedoch von kurzer Dauer. Die Unternehmungenwerfen kleinere Gewinne ab oder werden gänzlich unrentabel; dasführt zu Betriebsbeschränkungen und Bankerotten und zu Arbeiter-entlassungen in großem Stil. Infolge dessen sinkt schließlich auchder Arbeitslohn tief herab, unter Umständen, welche für Arbeiter undUnternehmer gleich traurig siud.
Erschwert wird die ganze Krisis durch Diskonterhöhungen, zu