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welchen die Banken durch die Geldknappheit genötigt werden, und welcheder Produktion den unentbehrlichen Kredit verteuern.
In kurzen Worten ausgedrückt sind also die Wirkungen der Geld-wertsteigerung :
1) Schädigung der Schuldner zu Gunsten der Gläubiger.
2) Allgemeiner wirtschaftlicher Niedergang, Sinken der Waren- -preise, Sinken des Unternehmergewinns, Sinken des Arbeitslohns.
Jede Veränderung des Geldwerts, ob nach oben, ob nach unten,ist aso von den schlimmsten Folgen für die ganze Nation begleitet. Esist schwer zu sagen, welche Bewegung nachteiliger ist.
Die Bimetallisten halten teilweise die Geldentwertung überhaupt ^^"Anicht für ein Übel, sondern im Gegenteil für das erstrebenswerte Ziel, WKhrungs.teilweise geben sie der Geldentwertung vor der Gcldwertsteigerung denunbedingten Vorzug. „Steigerung des Geldwertes zu verhüten, mußdie erste Aufgabe der Währungspolitik sein," schreibt Arendt, „darüberhinaus ist die möglichste Behinderung aller Schwankungen des Geld-wertes zu erstreben."
Wir hüten uns sehr wohl zu behaupten, „Sinken des Geldwerteszu verhüten, ist die erste Aufgabe der Währungspolitik." Wir gebenvielmehr folgendes zur Erwägung. Eine unmerkliche, leichte Ver-änderung des Geldwertes, sei es nach oben, sei es nach unten, wirdnicht von den schweren Krisen begleitet sein, wie heftige und starkeVeränderungen nach einer der beiden Seiten hin. Eine leichte Geldent-wertung wird die Gläubiger und Empfänger fester Bezüge nur wenigschädigen, die Warenpreise nur schwach beeinflussen, dem Arbeiter kaumfühlbar werden und kaum zu einer heftigen Spekulationskrisis führen.Andrerseits wird eine geringe Steigerung deS Geldwertes die Schuldnernicht sehr bedrücken, den Diskont kaum anspannen, die Warenpreisenicht stark beeinflussen, den Untcrnehmergewinn nicht so sehr vermindern,das; Betriebsbeschrünknngen eintreten müßten.
Aus diesen Gründen halten wir eine grundsätzliche Entscheidungfür oder gegen Goldwertsteigerung sür ein Unding. Kleine Ver-änderungen des Geldwertes sind uns lieber als große; wir ziehen einegeringe Geldentwertung einer großen Geldwertsteigcrung vor,nnd umgekehrt. Etwas widersinnigeres als eine prinzipielle Entscheidungläßt sich kaum denkeu. Wie kann man sagen: „unter allen Umständenmuß eine Geldwertsteigerung vermieden werden, wenn sie auch nochso gering ist. Das kleinere Übel ist die Geldentwertung, wie großsie auch sein mag." Aber gerade das ist der Sinn des oben ange-führten Areudtschen Schlußurteils und der erste Glaubensartikel allerBimetallisten. Wir können dem nur entgegenstellen:
Schwankungen d es Geldwertes nach Möglichkeit zuverhüteu, unvermeidliche Schwankungen, ob sie nachoben, ob nach unten stattfinden, ans das geringsteMaß
zu beschrünkeu, ist die erste Aufgabe der Währungspolitik.
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