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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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Nachdem wir den Einfluß der Geldwertbewegungen auf die'Volkswirtschaft dargelegt haben, erübrigt uns noch ein zweiter Punkt,in welchem die Währungsverhältnisse mit dem Wirtschaftsleben in Be-ziehung stehen: die Valutaschwankungen.

Da nicht alle Staaten ihr Geldwesen auf die gleiche Grund-lage gestellt haben, indem sie teils Goldwährung teils Silberwäh-rung teils Papierwährung haben, ist es unvermeidlich, daß Schwan-kungen in der gegenseitigen Geltung der verschiedenen Valuten statt-finden. Welcher Art die Einwirkung dieser Valutaschwankungenauf die wirtschaftlichen Verhältnisse beider in Betracht kommendenWährungsgebiete sind, läßt sich nur schwer theoretisch und allgemein-gültig feststellen. Es kommt dabei völlig auf die Art und die Ursachender Valutaschwankung, ob sie entstanden ist durch Geldwertsteigerungin dem einen, oder durch Geldentwertung in dem andern Gebiet, fernerauf die wirtschaftliche Entwicklung beider Gebiete und auf andere Ver-hältnisse in ausschlaggebender Weise an. Es wäre nutzlos, für alledie theoretisch denkbaren Fülle Sätze aufzustellen. Wir können uns damitbegnügen, den einen Fall, mit welchem wir praktisch zu thun haben,bei der Besprechung der gegenwärtigen Währungsverhültnisse im nächstenAbschnitt zu erörtern.

II. Der Wälzrungsstreit.

Nachdem wir im I. Teil das Wesen der Währung, die Be-ziehungen verschiedener Währungen untereinander, ferner den Zusammen-hang zwischen Währung und Volkswirtschaft mehr theoretisch auseinandergesetzt haben, treten wir jetzt an die praktische Währungs-frage heran.

Zu diesem BeHufe ist es zunächst notwendig, in wenigen Wortendie gegenwärtige Lage der Dinge und ihre Entwicklung in der letztenZeit zu behandeln.

l. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte.

Dsrübsrgang In der ersten Hälfte der siebenziger Jahre vollzog sich in den^welt""u?° Währungsverhältnissen der ganzen Welt ein gewaltiger Umschwung.Goldwährung,Bis um diese Zeit waren England und Portugal die einzigen Ländermit gesetzlicher Goldwährung gewesen. Allerdings hatte die gesetzlicheDoppelwährung Frankreichs und der übrigen Staaten des Frankensystcmsseit den fünfziger Jahren durch die Wertverringerung des Goldes gegen-über dem Silber, welche infolge der kalifornischen und australischenGoldfunde eingetreten war, zum thatsüchlichen Goldumlanf geführt;ebenso in den Vereinigten Staaten von Amerika , welche gleichfalls ge-setzliche Doppclwährung besaßen: auch als die Vereinigten Staaten im