- 31 —
d) Die volkswirtschaftliche Seite der Währungsfrage.
In volkswirtschaftlicher Beziehung handelt es sich um die Bewegungdes Geldwertes und um den Einfluß der Valutaschwankung en.
Oben Seile 16—18 ist der Weg dargelegt, auf welchem manzu Rückschlüssen über die Wertbeweguugen gelangen kann, und es istdort ferner gezeigt, welche Wirkungen die Geldwertveränderungen fürdie gesamte Volkswirtschaft haben.
Die Bimetallisten stellen nuu die Behauptuuq auf, daß seit den Di- ang-b-
I- ' c ' ^ < ' cm ' ? - ^r- <>. - ' »che Geld-
1>ebenz>ger Jahren eine Wertsteigerung des Goldes emge- wensieige-treten sei und eine weitere Werterhöhung noch bevorstehe. "'"^
Für diese Behauptung führen sie folgende Gründe ins Feld.
Durch den Übergang einer Reihe von Staaten zur Goldwährungsei die Nachfrage nach Gold erheblich gesteigert worden, während dasGoldangebot damit nicht gleichen Schritt gehalten habe. Unterstütztwurde diese Aufstellung bis zum Jahre 1885 durch eine stetige Abnahmeder Goldproduktiou, welche man als eine dauernde Erscheinung ausah.Der bekannte Wiener Geologe Professor Sueß stellte die Theorie desallmählichen Versiegens der Goldproduktion auf. Er behauptete, dieHauptfundorte des Goldes seieu Schwemmland, deren Ausbeute seivollzogen oder stehe für die uächstc Zeit bevor. Der Goldbergbauaber sei nur uahe an der Erdoberfläche selbst lohnend nnd bedeutegegenüber der Goldgewinnug aus dem Schwemmland nichts als einespärliche und fortwährend abnehmende Nachlese. Bis zum Jahre 1885schieu sich diese Theorie zu rechtfertigen. Seit diesem Jahr jedoch habenwir einen anhaltenden Ausschmung der Goldproduktion erlebt, und heutewird mehr Gold gewonnen, als jemals zuvor. Es kommt hinzu, daßes sich in dem gegenwärtigen Hanptproduktionslande, in Transvaal,nicht um Schwemmland handelt, sondern daß dort Gold aus dem so-genannten Konglomerat gewonnen wird, und daß nach dem Urteil vonFachleuten für die nächste Zeit dort noch eine erhebliche Steigerung derGoldproduktiou und später vielleicht ein längeres Gleichbleiben zu er-warten ist. Überhaupt wird nach der eingehenden Denkschrift, welcheder Geheime Ober-Bergrat Hanchecorne für die Silberkommission aus-gearbeitet hat, gegenwärtig ein Anteil von etwa 70 Prozent dergesamten Goldgewinnung durch Bergwerksbetrieb er-zielt. Die Behauptung, daß wir an Goldmangel leiden, und dieFurcht, daß ein solcher iin nächsten halben Jahrhundert eintreten werde,erscheinen im Hinblick auf diese Verhältnisse gegenstandslos.
Aber auch für die Jahre 1870 bis 1885, die Zeit der abnehmendenGoldprodnktion, läßt sich durch die bloße Verminderung der Goldgewinnungund Steigerung der Goldnachfrage der Beweis für eine Goldvertenernugnicht erbringen, und zwar aus folgenden Gründen:
Eine solche Schlußfolgerung wäre nur dann berechtigt, wenn er-wiesen wäre, daß der Goldwert in der Zeit vor 1870 stationär ge-wesen sei. Nun giebt es aber keinen Zweifel darüber, daß in dieser