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Zeit der Goldwert in ziemlich starkein Sinken begriffen war. Die nach1870 eingetretenen Änderungen in dem Angebot und der Nachfragenach Gold müssen also nicht notwendig eine Wertsteigerung des Goldesbewirkt haben, sondern ihre Wirkung kann sich darauf beschränkt haben,dem Sinken des Goldwertes ein Ende zu machen.
Ferner hat in dieser Zeit der abnehmenden Goldproduktion dieZahlungstechnik und namentlich der Giroverkehr eine außerordentlicheAusbildung erfahren. Die Umsätze im Giroverkehr der deutschen Reichs-bank sind von 16°/4 Milliarden Mark im Jahre 1876 auf fast 54Milliarden Mark im Jahre 1885 gestiegen (gegenwärtig haben sie dieSumme von 80 Milliarden Mark jährlich bereits überschritten). Durchdiese riesenhafte Entwickelung des Abrechnungswesens ohne die Ver-wendung von Bargeld wird ein bedeutender Betrag metallischen Geldesüberflüssig gemacht, der Bedarf an Bargeld, und mithin in den Gold-währungsländern die Nachfrage nach Gold, vermindert sich dement-sprechend. Es stehen also den Umständen, welche die Goldnachfragegesteigert haben, Verhältnisse von gegenteiliger Wirkung gegenüber.
Eine Goldwertsteigerung wird daher durch die von den Bime-tallisten angeführten Gründe nicht bewiesen, so wenig, wie sich aus derEntwickelung des Giroverkehrs u. s. w. eine Goldwcrtverringerung be-weisen ließe. Es bleibt also nur übrig, die Weltbewegung des Goldesan den Kennzeichen zu beurteilen, welche wir oben festgestellt haben:den Warenpreisen, den Arbeitslöhnen und den Diskontvewegungen.
Die Bimetallisten stützen sich hauptsächlich auf die Bewegungder Warenpreise. Es ist nicht zn leugnen, daß die meisten Groß-handelsartikel seit Beginn der siebenziger Jahre einen erheblichen Preis-rückgang erfahren haben, am stärksten Getreide, Bergwerksprodukte (Silber,Kupfer, Eisen) und Textilstoffe (Wolle und Baumwolle), weniger starkdie Produkte der Viehzucht. Steinkohle und Salz haben gegen dieDurchschnittspreise von 1876/80 eher eine leichte Preissteigerung zu ver-zeichnen, ebenso Kaffee, Tabal und andere Kolonialwaren. Aus diesenVerhältnissen folgern die Bimatellisten, das Geld sei im Wert gestiegen.
Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, daß man nicht ohneweiteres aus einem Sinken von Warenpreisen auf eine Wertsteigerungdes Geldes schließen darf, daß vielmehr stets zu untersuchen ist, ob nichtauf Seite der Waren selbst eine Veränderung in den Produktionsbe-dingungen vorgegangen ist, welche allein schon den Preisrückgang hinreichenderklärt. Betrachten wir die einzelnen Waren, welche im Preise ge-sunken sind, von diesem Gesichtspunkte aus, dann können wir sast beieiner jeden die Gründe genau nachweisen, welche — ganz unabhängigvom Geldwert — ihren Preisfall herbeigeführt haben.
Dm stärksten Preisfall haben erlitten: Die Bergwerksprodukte,Getreide, Wolle und Baumwolle.
Nehmen wir für die erste Gruppe als Beispiel das Eisen. ImJahresdurchschnitt der Periode von 1861 bis 1865 wurden im Ge-biet des heutigen deutschen Reichs 798 000 Tonnen Roheisen von