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europäischen Standpunkt aus sind also die Valutaschwankungen gewiß nichtals etwas ganz und gar Unerträgliches anzusehen. Dagegen muß manallerdings zugeben, daß Länder wie Indien nnd Japan das aller-größte Interesse an einer Beseitigung der Valutaschwan-kungen zwischen ihrem Silberg elde und dem europäi-schen Gvldgclde haben.
Erinnern wir uns, daß außerdem unsere Goldwährung dem erstenErfordernis, der Wertbeständigkeit des Geldes, soweit sich überhauptein sicheres Urteil gewinnen läßt, entspricht, dann haben wir allen Grundmit den bestehenden Währungsverhältnissen zufrieden zu sein.Eine Ursache zu Änderungen auf währungspolitischem Gebiete können wiralso nicht anerkennen, um so weniger, da die Wirkungen solcher Änderungensich nicht voll absehen lassen. Es wäre geradezu Vermessenheit nndFrevelmut, ohne die aller schwerwiegendsten Gründe densichern Boden, auf welchem wir stehen, zu verlassen nndden „Sprung ins Dunkle" auszuführen.
3. Die Doppelwährung (der Bimetallismns) alsHeilmittel.
Da wir die von den Bimetallistcn behaupteten Mängel und Schä-den unsrer Währnugsverfassung teils als unbedeutende und geringfügigeansehen, teils überhaupt deren Vorhandensein nicht anerkennen, könntenwir uns eine Kritik des von den Vimetallisten vorgeschlagenen Heilmittelsfüglich ersparen. Nichtsdestoweniger verlangt die Vollständigkeit auch denNachweis, daß die Durchführbarkeit des Heilmittels mindestens eine zweifel-hafte ist, und daß dasselbe, die Durchführbarkeit vorausgesetzt, weit entferntist, an Stelle der bestehende» WährnngSverhältnisse etwas besseres zu setzen.
Das von den Bimetallisten gegen alle behaupteten Mängel unsrerWährnugsverfassung, gegen die angebliche Gcldwertsteigerung und dieBalutadifferenzen und deren Wirkungen, die agrarische Notlage und denangeblichen Ruin unserer Exportindustrie, und ebenso gegen alle indirektauf die Goldwährung zurückzuführenden Schäden, einschließlich Antisemi-tismus, Sozialdemokratie uud — unglaublich aber wahr! — Zunahmedes Irrsinns, vorgeschlagene Heilmittel ist die internationale Doppel-währung. Die Bimetallisten wollen den Wert des Geldes mit dem Wertbeider Edelmetalle zn gleicher Zeit verbinden, dadurch den Wert von Goldund Silber zu einander in ein festes Verhältnis bringen und auf dieseWeise auch die Valutaschwankuugeu beseitigen. Dabei soll der Silberwertgehoben werden, ob wieder auf das alte Verhältnis von 1:15,5 znm Gold,darüber sind sich die Bimetallisten nicht ganz einig; sie sagen, das sei keine„Prinzipienfrage". In der praktischen Agitation verlangen sie jedochungeniert „die Wiederherstellung des Silberwertes", und Arendt sagt:„wenn von Wiederherstellung des Silbcrwertes gesprochen wird, so istdarunterdie Rückkehr der Wertverhältnisse von 1:15,s zn verstehen," ebensoerklärte er in der Silberkommission: „Zunächst ist für mich ein Wertver-